Die Zeichen waren im Jahr 2002 schon recht deutlich: Nicht nur militärische Einrichtungen und Geheimdienste deuteten immer offener ihre Unzufriedenheit mit bestehenden Verschlüsselungssystemen an, auch Unternehmen zeigten sich interessiert an neuen Entwicklungen. Das Schlagwort der Quantenkryptografie geisterte immer wieder durch die Medien. Bewerbung Damals beschlossen österreichische Forscher, eine länderübergreifende Arbeitsgruppe zu initiieren und sich bei der Europäischen Union um Förderungen zu bewerben, um aus der Quantenkryptografie ein marktfähiges Produkt zu entwickeln. Das Problem: Der Antrag musste mit fundierten wirtschaftlichen Szenarien untermauert werden, die die Wissenschafter aber selbst nicht erstellen konnten. Damals entschloss sich der jetzige Projektleiter, Christian Monyk, ein Angebot der Innovationsagentur, die heute zum Austrian Wirtschaftsservice (AWS) gehört, anzunehmen. Unter dem Titel Tecnet können Forscher und Unternehmer, die zwar eine gute Idee, aber wenig Einblick in Marktentwicklungen haben, das AWS mit den benötigten Recherchen beauftragen. Infos Als Information-Brokerin gräbt Tecnet-Leiterin Birgit Bauer alle für einen Business-plan nötigen Informationen aus. Wie lange die Recherchen in internationalen Datenbanken und über Expertengespräche dauern, hängt immer vom Umfang des Auftrags ab, erklärt Bauer. Für die Zusammenstellung von Marktschätzungen zur Quantenkryptografie jedenfalls habe man ab Beauftragung eine Woche gebraucht. Auch die Kosten sind projektabhängig, im Schnitt könne man aber mit 2500 Euro rechnen. In seinem Fall hat sich der Tecnet-Auftrag auf jeden Fall ausgezahlt, meint Christian Monyk. Die AWS-Mitarbeiter stießen auf Einschätzungen von renommierten Analysten wie der Gartner Group, die das kommerzielle Potenzial der Quantenkryptografie untermauerten. Nicht zuletzt damit ist es gelungen, EU-Fördergelder in der Höhe von immerhin 11,4 Millionen Euro an Land zu ziehen. (DER STANDARD Printausgabe, 01.06.2004)