Der Standard: Seit rund einem halben Jahr werden die Organisations- und Planungsprozesse an der Innsbrucker Uniklinik für Unfallchirurgie mithilfe einer von Ihrer Firma entwickelten Software durchgeführt. Was hat sie anderen Systemen dieser Art voraus?

Alfred Staudinger: Unser Softwarepaket RPS2 (Ressource Planing System) unterstützt das Klinikpersonal bei der Vergabe von Operationsterminen. Im Gegensatz zur klassischen OP-Planung werden dabei alle für eine Operation relevanten Ressourcen - vom OP-Saal über den Operateur und den Anästhesisten bis hin zum Krankenbett - berücksichtigt. Es macht ja keinen Sinn, einen OP-Termin zu vergeben, wenn man im Anschluss kein Krankenbett frei hat. Werden all diese Faktoren in den Planungsprozess involviert, können OP-Termine viel besser eingehalten werden. Letztendlich kann dadurch die durchschnittliche Verweildauer der Patienten gesenkt werden, da man nicht unnütz Betten an Leute vergeben muss, die auf einen neuen Operationstermin warten.

Der Standard: Was hat sich durch den Einsatz dieser Software am Klinikalltag geändert?

Staudinger: Mittlerweile erfolgt die OP-Terminvergabe online direkt in der Ambulanz in Gegenwart des Patienten, wobei dieser gemeinsam mit dem Arzt den persönlich optimalen Operationstermin bestimmen kann. Durch unser System wird für den Patienten sofort ersichtlich, ob dieser Termin noch frei und sein Wunschoperateur zu diesem Zeitpunkt verfügbar ist. Wenn nicht, kann der nächstmögliche Termin sofort in der Ambulanz mit dem Patienten fixiert werden. Früher wurden die Patienten über Terminverschiebungen meist schriftlich über das Sekretariat informiert, was den Prozess oft sehr in die Länge gezogen und dem Patienten außerdem keine Mitsprachemöglichkeit gelassen hat. Letztlich soll die Krankenbetreuung durch unsere Software serviceorientierter und effizienter werden.

Der Standard: Ein neues Instrument der Kundenorientierung im Klinikbereich ist auch Ihr Softwarepaket ipi. Welche Vorteile bringt es?

Staudinger: Mithilfe der Individuellen Patienten Information ipi können alle relevanten Informationen für Operationspatienten vollautomatisch zusammengefasst und ausgedruckt werden. Der Patient erhält eine Mappe, in der von der Diagnose über die Operationsart, den Aufnahme- und den geplanten Entlassungstermin bis hin zu Informationen über den Operateur, die Besuchszeiten oder Parkmöglichkeiten in Kliniknähe alles enthalten ist, was er über seinen Klinikaufenthalt wissen sollte. Diese computergestützte Patientenmappe haben wir in einer vom FFF geförderten Forschungskooperation mit dem Innsbrucker Kompetenzzentrum HITT (siehe Wissen) entwickelt. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um eine Textbausteinmaschine, die aufgrund von Input-Parametern wie Diagnose, OP-Technik, Operateur etc. speziell auf den jeweiligen Patienten zugeschnittene Informationen verständlich aufbereitet und ausdruckt.

Der Standard: In welchen Kliniken wird diese Patientenmappe ausgegeben?

Staudinger: In der Innsbrucker Orthopädie und im Krankenhaus St. Pölten. An der Innsbrucker Unfallklinik sind wir gerade dabei, die Software zu installieren. Eine Kombination mit dem Ressourcenplanungssystem RPS2 ist natürlich insofern vorteilhaft, als mit diesem System alle Input-Parameter technisch schon vorliegen. So kann man beispielsweise die Diagnose direkt vom RPS2 auf die Patientenmappe übertragen. Ebenso die geplante Abteilung, den geplanten Operateur etc. Alles, was die Patientenmappe zu einer individuellen Information macht, kommt direkt vom RPS2 und ist somit automatisierbar.

Der Standard: Für die Entwicklung dieser Software war offenbar auch sehr viel Klinik-Know-how nötig. Woher haben Sie das eigentlich bezogen und wer steht überhaupt hinter der Firma Daco?

Staudinger: Die Firma Daco, die wir 1999 gegründet haben, besteht aus nur sechs Mitarbeitern, drei davon beschäftigen sich hauptsächlich mit der Softwareentwicklung. Unser internes Klinik-Know-how verdanken wir vor allem einem unserer Gesellschafter, der als Universitätsprofessor für Orthopädie mit dem Krankenhausalltag und seinen Problemen bestens vertraut ist. Im Rahmen unserer Projekte arbeiten wir natürlich auch sehr eng mit den Klinikmanagern jener Abteilungen zusammen, die unsere Software anwenden. Diese Kooperation ist aus meiner Sicht der wichtigste Punkt überhaupt. Die Herausforderung bei der Entwicklung dieser Software liegt weniger im Technischen als in der Analyse der komplexen Organisationsprozesse in einer Klinik.

Der Standard: Wer sind Ihre Kunden?

Staudinger : Bislang hauptsächlich Kliniken und das Rote Kreuz, für das wir mit RPS2 die ganze Dienstplanverwaltung und Tagesdisposition machen. RPS2 ist allerdings ein universell einsetzbares Ressourcenplanungssystem, das für Schulungszentren oder Altenheime ebenso genutzt werden kann wie für Callcenter oder Industriebetriebe. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.6.2004)