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Todesfälle Herz-Kreislauf-Erkrankungen und davon Herz-Infarkt-Tode bei Frauen und Männern 1975 bis 2002

Grafik: apa/schmitt
Wien - Patienten mit einem akuten Herzinfarkt haben in Österreich zunehmend bessere Überlebenschancen - wenn sie rechtzeitig ins Spital kommen und dort die modernste Therapie erhalten. Dies erklärten am Dienstag Fachleute aus Anlass des Jahreskongresses der österreichischen Kardiologen in Salzburg.

Nach wie vor sind die Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit einem Anteil von mehr als fünfzig Prozent die häufigste Todesursache. Doch während es in der Prävention (Rauchen, Cholesterin, Bewegungsmangel, Bluthochdruck) noch einiges aufzuholen ist, werden die Techniken in der Behandlung immer besser.

Messung der B-Type-Konzentration

Immer mehr Platz in der Diagnose und der Therapiekontrolle erobert sich die Messung der Konzentration des B-Type natriuretischen Peptids (BNP) im Blut von Herzpatienten. Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber, Chef der kardiologischen Abteilung am Wiener Wilhelminenspital, erläuterte, dass das BNP-Hormon im Herzen gebildet wird. Patienten mit Herzmuskelschwäche hätten erhöhte Spiegel im Blut. Es habe sich gezeigt, dass eine effektive Behandlung der Herzmuskelschwäche diese Konzentration senke. Steige das Hormon an, könne eine Verschlechterung der Herzschwäche bevorstehen. Auch bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit und bei Kranken mit Verengungen der Körperschlagader (Aorta) könnten erhöhte BNP-Werte auf ein höheres Sterberisiko hinweisen. Dann wäre eine Operation oder eine intensivere Therapie eventuell nötig.

Zurückhaltung über Stammzelltherapie

Mittlerweile eher zurückhaltend sind die Experten, was die Zukunftsaussichten für die Stammzelltherapie bei Herzmuskelschäden (z.B. nach einem Infarkt) betrifft. Univ.-Prof. Dr. Dietmar Glogar, Präsident der österreichischen kardiologischen Gesellschaft klärte auf: "Alle Studien deuten darauf hin, dass aus dem Knochenmark gewonnene Stammzellen, die dem Patienten infundiert werden, nicht so sehr zu Muskelzellen differenzieren, sondern eher zur Neubildung kleiner Blutgefäße führen. Im Zentrum eines Infarktes ist das Eintreten einer Regeneration nicht anzunehmen."

Aufholbedarf bei Akut-Infarkttherapie

Die beste Behandlungsmöglichkeit nach einem akuten Herzinfarkt ist die schnelle Aufdehnung des verstopften Herzkranzgefäßes mittels aufblasbarem Ballonkatheter und Einfügung einer aufklappbaren Drahtgitterröhre (Stent). Das senkt die Sterblichkeit drastisch. Zweitbeste Möglichkeit ist die Gerinnselauflösung per Medikament (Thrombolyse). Beide Therapien sollten am besten binnen zwei Stunden nach dem Auftreten von Infarktsymptomen angewendet werden. Verbesserungen in Österreich steht aber offenbar auch ein Nachholbedarf gegenüber.

Patienten zur Akut-PTCA bringen

Ein Ziel am Wiener AKH ist laut Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber Patienten zur Akut-PTCA zu bringen. Es gäbe jetzt aber auch die Thrombolyse schon vor der Einlieferung ins Spital. Mit dieser Organisation seit 1. März 2003 hätte die Infarktsterblichkeit von 17 auf weniger als zwölf Prozent gesenkt werden können. Allerdings, während tagsüber mehrere PTCA-Labors zur Verfügung stehen, gibt es in der Nacht das Wiener AKH mit Rufdienst und von Montag bis Donnerstag jeweils ein zweites Labor in einem anderem (KAV-)Spital. Von Freitag bis Sonntag gibt es nur das AKH.

"Bei Behandlung während des Tages haben wir eine 30-Tage-Mortalität von zwei Prozent bei den Patienten. Kommen sie in der Nacht - da gibt es etwas Verzögerung -, liegt die Sterblichkeitsrate bei vier bis 4,5 Prozent", erläutert Huber weiter. In Österreich sei die Versorgung mit Katheterlabors relativ dicht.

In Österreich noch nicht flächendeckend

Laut Huber gibt es die modernsten Behandlungsmethoden in der Akut-Therapie des Herzinfarkts zum Beispiel für Patienten im Waldviertel (Niederösterreich) nur in Einzelfällen. Lücken seien auch in Teilen der Steiermark (Ennstal) und einzelnen Alpenregionen vorhanden.

Bezüglich der flächendeckenden Organisation eines PTCA-Service sei durch den erst vor kurzem erfolgten Neuaufbau die tschechische Republik dem österreichischen Gesundheitswesen voraus.

Probleme finanzieller Art plagen die Kardiologen in den Spitälern auch bei den "Stents". Jene Drahtgitterröhren um Offenhalten ehemals verengter Herzkranzgefäße, welche Medikamente gegen einen Wiederverschluss abgeben, sind - so der Wiener Spezialist Prim. Dr. Georg Gaul - für alle Patienten besser als die herkömmlichen. (APA, red)