Rom - An der Mailänder Börse weht nach zwei Jahren Krise frischer Wind. Italienische Unternehmen scheinen an Börsengänge neues Interesse gewonnen zu haben. Bis zum Sommer sind acht Börsegänge (IPOs) geplant mit einem Gesamtvolumen von drei Mrd. Euro. Im vergangenen Jahren hatten nur vier Gesellschaft das Going Public in Mailand gewagt.

Gespanntes Warten auf Terna-Börsegang

Das Interesse der Investoren richtet sich vor allem auf dem Börsendebüt der Stromnetzgesellschaft Terna, Tochter des ehemaligen italienischen Elektrizitätsmonopolisten Enel. Enel bringt am 21. Juni ein 50-prozentiges Aktienpaket von Terna auf dem Mark, was einem Wert von 1,5 Mrd. Euro entspricht. Das geplante IPO von Terna sollte der größte Börsegang Europas in diesem Jahr sein. Knapp ein Drittel der jungen Aktien geht an Kleinanleger, den Rest werden institutionelle Investoren zeichnen. Im Zuge der Liberalisierung des italienischen Strommarkts muss Enel seine Beteiligung an Terna bis zum Jahre 2007 allerdings auf 20 Prozent reduziert haben.

Ein weiterer Neuzugang in Mailand ist im Juni der Vermögensverwalter Azimut. Das Volumen des Börsengangs beträgt 600 Mio. Euro. Azimut ist der erste Börsegang am 1999 eingeführten New Economy-Segment Nuovo Mercato seit mehr als drei Jahren. Ein anderer Anwärter für diesen Ehrenplatz ist Procomac: Das auf Packaging-Roboter spezialisierte Unternehmen mit Kunden, die von Coca-Cola über Danone bis Nestle reichen, will vor Ende 2004 am Nuovo Mercato notieren.

DMT mit vier Millionen neuen Aktien

Am Montag hat die Mailänder Börse auch das Gründe Licht für den IPO der HiTech-Gesellschaft Digital Multimedia Technologies (DMT) gegeben. Die im Jahr 2000 gegründete Gesellschaft mit Sitz in Mailand wird Ende Juni im Börsensegment Star debütieren. Der Börsenstart wird durch eine Kapitalaufstockung für insgesamt vier Millionen neue Aktien erfolgen. DMT ist in Italien Marktführer im Bereit Technologie für Digitalfernsehen.

Die Mailänder Mediengesellschaft Mediaset unter der Kontrolle des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi fiebert auch dem für 7. Juni geplanten Start der spanischen Tochter Telecinco an der Börse in Madrid. Notiert wird zwischen 24 und 35 Prozent des Kapitals. Der Preis, mit dem die Telecinco-Aktie platziert werden soll, wurde noch nicht bekannt.

Mediaset hält seit März vergangenen Jahres 52 Prozent an dem spanischen Kanal und will diesen Anteil auch nicht senken. Der niederländische Investmentfonds Ice Finance werde seinen zehnprozentigen Anteil platzieren, weitere 14 bis 25 Prozent werde die Dresdner Bank verkaufen, die 25 Prozent der Telecinco-Anteile besitzt, hieß es aus Mediaset-Kreisen. (APA)