Wien/Teheran - Die Internationale Atomenergie-Organisation IAEO hat erneut die widersprüchliche Informationspolitik des Iran zu seinem jahrelang geheimen Atomforschungsprogramm kritisiert. In einem vertraulichen Bericht an die 35 Mitgliedsstaaten des so genannten IAEO-Gouverneursrat bestätigt die UNO-Organisation zwar, dass sich die Zusammenarbeit mit der iranischen Regierung verbessert habe. Gleichzeitig stellt IAEO-Generaldirektor Mohammed ElBaradei jedoch fest, dass Teheran seine Atomgeheimnisse letztlich nur auf Druck der internationalen Gemeinschaft preisgegeben habe. Der Staatssekretär im US-Außenministerium, John Bolton, warf dem Iran nach US-Medienberichten "Leugnung und Täuschung" vor.

Das Atomprogramm des Iran wird vermutlich im Mittelpunkt der nächsten Tagung des Gouverneursrats am 14. Juni in Wien stehen. Vor allem die USA werfen Teheran vor, seit Jahren heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Dies bestreitet die iranische Regierung vehement. Sie betont, dass alle Informationen in einem 1000 Seiten umfassenden Bericht enthalten sind, den man im Mai der Wiener Behörde übergeben habe.

Ein Regierungssprecher in Teheran bekräftigte am Mittwoch, das Atomprogramm des Iran sei ausschließlich für friedliche Zwecke bestimmt. Man habe "nichts zu verheimlichen", sagte der Atom-Unterhändler Teherans, Hassan Rowhani. Er forderte unter anderem die US-Regierung auf, Beweise vorzulegen, dass der Iran wirklich ein heimliches Programm zum Bau von Atomwaffen habe.

Nach dem vertraulichen Bericht ElBaradeis, der am Dienstag den Mitgliedern des Gouverneursrats zugestellt wurde, hat der Iran nach mehreren Inspektionen von IAEO-Experten inzwischen zugegeben, dass es Teile für moderne Gas- Zentrifugen zur Herstellung von atomwaffentauglichem Uran im Ausland gekauft hat. Zuvor hatte Teheran erklärt, dass diese Teile im Iran selbst produziert wurden. Ähnliche Zentrifugen und Spuren von spaltbarem Material fanden IAEO-Inspektoren auch bei der Untersuchung des libyschen Atomprogramms.

Ungeklärt ist weiterhin, warum Teheran 4000 spezielle Magneten für rund 2000 Zentrifugen im Ausland bestellte, weit mehr, als zur Urananreicherung für friedliche Zwecke nötig wären. Unklarheit herrscht auch über die Herkunft von hoch angereichertem Uran, von dem Spuren an Zentrifugen gefunden wurden, die - wie Teheran inzwischen erklärt - offenbar aus Pakistan stammten.

ElBaradei deutete in dieser Woche an, dass die Inspektionen im Iran weitergehen müssten. Vor Vertretern der Parlamentarischen Versammlung der NATO in Preßburg sagte er am Dienstag, man habe bisher allerdings keine eindeutigen Beweise für ein militärisches Atomprogramm Teherans entdeckt. Allerdings befinden sich sieben von 13 nuklearen Forschungszentren für die Urananreicherung auf militärischem Gelände, zu denen die IAEO-Experten nur schwer Zutritt erhielten. (APA/dpa)