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Kommando retour hieß es am Dienstag für die georgischen Truppen, die erst am Montag in die abtrünnige Republik Südossetien entsandt worden waren.

Foto: AP/George Abdaladze
Die Bestrebungen der neuen Reformregierung um Staatspräsident Michail Saakaschwili nach einer Wiedervereinigung Georgiens mit den abtrünnigen Provinzen Abchasien und Südossetien haben erstmals zu einer ernsthaften Konfrontation mit Russland geführt. Innenminister Gia Baramidse musste am Montagabend auf Druck Moskaus nur Stunden zuvor stationierte Truppen von einem Checkpoint nahe der Hauptstadt der südossetischen "Republik" zurückziehen. Ein anschließender mehrstündiger Stromausfall in Georgien, der die TV-Stationen lahm legte und Fahrgäste in der Untergrundbahn in Tiflis festhielt, wurde am Dienstag in den georgischen Medien als Strafmaßnahme Russlands betrachtet.

Mit Strom versorgt

Die Kaukasusrepublik wird von Russland mit Strom versorgt. Moskau stützt zudem die Separatistenführer in Abchasien und Südossetien und unterhält auch noch zwei Militärbasen in der früheren Sowjetrepublik Georgien. Während Moskau zweimal in den vergangenen Monaten politische Revolutionen in Georgien akzeptierte – den Sturz von Staatschef Eduard Schewardnadse im November 2003 und von Aslan Abaschidse, dem Führer der autonomen Provinz Adscharien, im Mai – zog Moskau im Fall Südossetiens nun die Notbremse.

Saakaschwili gab nach einem Telefongespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Montagabend den Rückzug des kleinen georgischen Kontingents aus dem südossetischen Dorf Tkwiawi bekannt. Gleichwohl kündigte der Chef des georgischen Sicherheitsrates eine spätere Aufstockung der georgischen Truppen in der abtrünnigen Provinz von 100 auf 500 Soldaten an.

Einer Vereinbarung nach dem Krieg von 1992 zufolge unterhalten Russland wie die Südosseten jeweils 500 Soldaten auf dem nicht einmal 4000 Quadratkilometer großen Gebiet im Norden Georgiens zur Grenze Russlands. Ungeachtet der russischen Warnungen reagierten Beobachter in Tiflis verblüfft und beeindruckt von dem Vorstoß des georgischen Präsidenten gegen eine weitere Separatistenprovinz.

"Wir haben seine Fähigkeit unterschätzt, die alten Führer aus dem Land zu treiben", erklärte Ketevan Rostiaschwili gegenüber dem Standard. Die Georgierin, die das "Transnational Crime and Corruption Center" leitet, eine der zahlreichen amerikanisch oder von EU-Staaten finanzierten Nichtregierungsorganisationen im Land, bestätigt auch die Argumente der Regierung in Tiflis, bei dem Militäraufmarsch gegen Südossetien gehe es um den Kampf gegen Korruption und Schmuggel.

Tatsächlich läuft durch die Provinz eine der Schmuggelrouten in den georgischen Rumpfstaat, an der die Separatistenregime wie auch das russische Militär verdienen. Der offiziellen Darstellung zufolge hat Tiflis nun seine Truppen von dem Checkpoint vor Tskhinwali vorerst zurückgezogen gegen die Versicherung des russischen Militärkommandanten, weiter die durchfahrenden Transporte – und vor allem die Öllieferungen – zu "kontrollieren". (DER STANDARD, Printausgabe, 2.6.2004)