Die Staatsanwaltschaft Wien verfolgt eine Anzeige wegen "Verdacht des Prozessbetrugs" bei der Fusion der Magazingruppen um News und profil nicht weiter. Die Anzeige bezog sich auf falsche Umsatzangaben und eine angebliche Beteiligung der WAZ an einem weiteren Magazinverlag, der ET Multimedia.

"Nach eingehender Prüfung wird keine weitere Verfolgungshandlung gesetzt", erklärt Friedrich Matousek Dienstag auf STANDARD-Anfrage. Warum das? "Rechtliche Erwägungen", und die "kompliziert", sagt der Leiter der Staatsanwaltschaft Wien: "So ins Detail möchte ich in der Öffentlichkeit nicht gehen."

Rechenkunststücke

Medienanwalt Michael Krüger erstattete die Anzeige im Herbst 2003 im Auftrag der FPÖ. Wie berichtet rechneten die Antragsteller den gemeinsamen Inseratenmarktanteil der beiden größten Magazingruppen mit verschiedenen Tricks von fast 60 auf 17 Prozent herunter. Ab 30 Prozent gelten Konzerne als "marktbeherrschend".

Aufgrund der Rechenkunststücke ging das Kartellgericht davon aus, dass der Magazinriese den Lesermarkt beherrsche, stimmte der Fusion aber unter Bedingungen zu. Das wäre ungleich schwerer gefallen, hätte das Gericht die Marktposition bei Lesern und Anzeigen gekannt. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 2.6.2004)