Bild nicht mehr verfügbar.

Grafik: APA/Sicher Leben/DER STANDARD
Eine Katastrophe ist oft nach wenigen Sekunden vorbei, Überlebende kämpfen aber jahrelang mit den psychischen Folgen. "Es ist ein irrationales schlechtes Gewissen des eigenen Überlebens", erklärt der Leiter der psychosozialen Dienste in Wien, Stefan Rudas. In den allermeisten Fällen helfe nur eine therapeutische Betreuung, um über das Erlebte hinwegzukommen.

Trauma-Management ist auch eines von zahlreichen Themen bei "Safety 2004", der WHO-Weltkonferenz für Sicherheit, die von 6. bis 9. Juni im Wiener Austria Center stattfinden wird. Die Veranstaltung wird vom Institut "Sicher leben" organisiert. Im umfangreichen Programm sind weiters wissenschaftliche Beiträge über Verletzungsverhütung, Suizidprävention, Katastrophen- und Zivilschutz sowie über Verkehrssicherheit vorgesehen.

In Österreich ereignen sich jährlich bereits rund 831.000 Unfälle. Nur sieben Prozent davon machen Verkehrsunfälle aus. Die weitaus meisten Unfälle, nämlich fast jeder zweite, geschehen in der Freizeit (ohne Sport).

Flugrettung

Die Unfalltendenz ist steigend, das belegen auch die zunehmenden Einsätze von Rettungshubschraubern. Die Flugrettung des ÖAMTC war im Vorjahr tagsüber alle 18 Minuten im Einsatz, in vier von zehn Fällen wegen eines Freizeitunfalles.

Rupert Kisser, der Institutsleiter von "Sicher leben" fordert von der Regierung mehr konkrete Präventionsmaßnahmen. Im Detail solle zum Beispiel das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz so präzisiert werden, dass für jeden Menschen in der Sozialversicherung vergleichbar viele Mittel für die Unfallvermeidung eingesetzt werden.

Auch eine Vereinheitlichung der technischen Bestimmungen in den österreichischen Bauordnungen unter besonderer Berücksichtigung der Sicherheit von Kindern, alten Menschen und Behinderten könnte viele Unfälle vermeiden, meint Kisser. Neun verschiedene Landesbauordnungen mit unterschiedlichen Bestimmungen erschwerten es Bauherren, Architekten und Gewerbebetrieben, die im jeweiligen Bundesland gültigen Bestimmungen umzusetzen.

Rund die Hälfte aller tödlichen Unfälle könnten durch zusätzliche Maßnahmen vermieden werden, ist Kisser überzeugt. "Denn schuld sind nicht einfach die Verletzten selbst", erklärt der Sicherheitsexperte.

Zu wenig Beratung

Häufig liege es an unzureichenden Baulichkeiten oder Produkten, mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen bei Dienstleistungen, fehlendem Wissen über Gefahren und Möglichkeiten, wie diese vermieden werden können. Kisser: "Es gibt zu wenige fachkundige Stellen, die beraten und aufklären." (simo/DER STANDARD; Printausgabe, 2.6.2004)