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Der neue deutsche Bundespräsident Köhler kündigte an, dass er sich stärker des Mediums Fernsehen bedienen will, um seine Ansichten publik zu machen: "Sie bekommen einen Bundespräsidenten, der die Medien und die Öffentlichkeit nicht scheut."

Foto: REUTERS/Tobias Schwarz
Er wirkt noch immer etwas verlegen bei seinen Auftritten. Immerhin war es am Dienstag auch das erste Mal, dass sich Horst Köhler als gewählter Bundespräsident den Fragen der Journalisten in Berlin ausgesetzt sah, auch wenn der eigentliche Anlass die Präsentation eines Buches mit Gesprächen mit ihm war.

Nur selten wich der 61-Jährige aus, als ihm auch unangenehme Fragen gestellt wurden wie nach seinem Verhältnis zur CDU, deren Kandidat er war und Mitglied er ist: Es gehe ihm als Bundespräsident um "das Wohl der Deutschen und nicht um das der CDU", stellte er klar. Denn die Parteichefs von CDU, CSU und FDP hatten die Wahl Köhlers als Signal für einen Machtwechsel in Berlin gefeiert.

Er kritisierte indirekt auch Altkanzler Helmut Kohl, der sich auf sein Ehrenwort gegenüber Spendern beruft, um deren Namen in Zusammenhang mit der CDU-Finanzaffäre nicht preisgeben zu müssen: "Ehrenwort ist Ehrenwort und Gesetz ist Gesetz. Niemand steht über dem Gesetz", so Köhler.

Er betonte auch, dass nicht erst in den vergangenen sechs Jahren - seit Rot-Grün regiert - Reformen zu zögerlich angegangen worden seien, sondern auch von der Regierung Kohl. Deutschland müsse sich "grundlegend erneuern".

Köhler kündigte auch an, dass er sich nach seinem Amtsantritt am 1. Juni stärker des Mediums Fernsehen bedienen will, um seine Ansichten publik zu machen. "Sie bekommen einen Bundespräsidenten, der die Medien und die Öffentlichkeit nicht scheut." Er werde sich intensiv an der Debatte zu Zukunftsfragen wie der demografischen Entwicklung und auch Wertefragen beteiligen. "Aber es ist nicht meine Absicht, ins operative Geschäft einzugreifen."

Nach seinem Geburtsort gefragt, ob der nun wie bisher angenommen im polnischen Skierbieszow oder im österreichischen St. Pölten liege, sagte Köhler, es gebe da "eine gewisse Inkonsistenz zwischen Geburtsurkunde und Taufbuch". Aber: "Ich weiß noch nicht, wie ich das aufkläre." (DER STANDARD, Printausgabe, 2.6.2004)