Das Gesicht maskiert, der Oberkörper nackt, in der Hand eine Faustfeuerwaffe: In dieser Aufmachung bedrohte ein Unbekannter Dienstagmorgen nahe des Wilhelminenspitals in Wien-Ottakring drei Passanten - und löste damit einen Großeinsatz der Exekutive aus.

Kurz vor sieben Uhr trat der 1,75 Meter große, um die 20 Jahre alte, hellhäutige und kräftige Mann auf eine Krankenschwester zu. Die Frau befand sich auf dem Weg in den Dienst. Der Unbekannte hielt ihr die Pistole - oder den Revolver - mit ausgestrecktem rechten Arm ins Gesicht. Dann ging er weiter.

Mehrere Gebäude abgesperrt

Die geschockte Frau und ein vorbeifahrender Autolenker beobachteten, wie der Mann mit der Waffe im Anschlag anschließend zwei junge Burschen bedrohte. Einer der beiden habe "bitte, nicht schießen", gesagt, erzählte die Krankenschwester der Polizei.

Diese ließ die Gegend absperren und riegelte mehrere Gebäude ab: Laut Josef Koppensteiner vom Kriminalkommissariat West bestand der Verdacht, dass sich der Mann in einem der Häuser verschanzt haben könnte. Auch ein Polizeihubschrauber stieg auf. Gegen acht Uhr wurde ein Verdächtiger angehalten - der Falsche, wie sich herausstellte.

Die Ermittler vermuten nun, dass es sich bei dem Bewaffneten um einen Mann mit psychischen Problemen - vielleicht um einen Abgängigen - handeln könnte. Sie bitten um zweckdienliche Hinweise. Auch die beiden Jugendlichen, die bisher keine Anzeige erstattet haben, werden dringend ersucht, sich beim Kriminalkommissariat West unter (01) 31310-25-120 (Gruppe Fohringer) zu melden. (APA, bri/DER STANDARD; Printausgabe, 2.6.2004)