Warschau - Unbekannte haben nach Angaben des polnischen Militärs im Irak zwei polnische Zivilisten in Bagdad aus ihrer Wohnung entführt. Einem der beiden sei später jedoch die Flucht gelungen. Die beiden Polen arbeiteten in Bagdad für eine Baufirma, wie ein Sprecher der polnischen Einheit der multinationalen Irak-Truppe telefonisch am Dienstag nach Warschau mitteilte.

Ägypter und Türke im Irak gekidnappt

Arabische Fernsehsender haben am Mittwoch Bilder einer ägyptischen und einer türkischen Geisel ausgestrahlt, die im Irak gekidnappt und worden sein sollen und denen eine Exekution drohe. Maskierte Bewaffnete erklären in dem Video, die Männer würden gemäß dem islamischen Recht behandelt. Den Geiseln werde Verrat vorgeworfen, sagte ein Nachrichtensprecher des Senders Al Arabiya.

Der Ägypter wurde mit den Angaben zitiert, er habe Waren für die US-Streitkräfte in den Irak transportiert. Er hält ein Dokument in die Kamera, bei dem es sich um seinen Ausweis handeln könnte. Nach einem Bericht von Al Jazeera verlangen die Kidnapper von der ägyptischen und türkischen Regierung im Gegenzug für die Freilassung ihrer Geiseln, dass sie eine Zusammenarbeit mit den Besatzungstruppen im Irak verurteilen.

Warschau schließt Lösegeld-Zahlung nicht aus

Im Fall des im Irak entführten polnischen Arbeiters schließt der polnische Präsident Aleksander Kwasniewski eine Lösegeld-Zahlung durch das betroffene Unternehmen nicht aus. "Ich möchte im Moment nichts vorwegnehmen, alles hängt von der Situation ab", sagte Kwasniewksi am Mittwoch in einem Radio-Interview. Er warnte jedoch zugleich, eine Lösegeld-Zahlung könne Terroristen und Entführer ermutigen.

Ein Sprecher des Bauunternehmens Jedynka sagte, seine Firma sei zu allem bereit, um ihren Angestellten zu befreien - auch zu einer Lösegeld-Zahlung. Der Geschäftsführer solle nach Bagdad reisen, um den Vorfall zu untersuchen. Wenn es den Entführern tatsächlich um Geld gehe, werde er dort entscheiden.

In den vergangenen Wochen wurden zahlreiche Ausländer von mutmaßlichen irakischen Extremisten entführt, die damit den Druck auf die US-geführten Koalitionstruppen erhöhen wollen, damit diese das Land verlassen. Polen unterhält mit 2400 Soldaten eines der stärksten Kontingente im Irak. (APA/Reuters)