St. Louis - Ein amerikanisches Berufungsgericht hat das Abschiebungsurteil gegen einen ehemaligen KZ-Aufseher bestätigt. Ein Sprecher des Justizministeriums in Washington bekräftigte nach dem Urteil vom Dienstag in St. Louis die Absicht, den 82-jährigen Michael Negele auszuweisen. Der seit mehr als 50 Jahren in den USA lebende Rumänien-Deutsche kann noch Berufung beim Obersten Gerichtshof einlegen.

Negele gehörte nach Angaben des Justizministeriums der Waffen-SS an und war während des Zweiten Weltkriegs Aufseher in den Lagern Sachsenhausen und Theresienstadt. Sein Anwalt machte geltend, dass Negele nicht an Grausamkeiten beteiligt gewesen sei. Die drei Richter des Berufungsgerichts in St. Louis erklärten jedoch, dass sich der KZ-Aufseher bei Patrouillengängen mit einem Hund an der Verfolgung beteiligt habe.

Negele kam den Angaben zufolge 1950 mit einem in Deutschland ausgestellten Visum in die USA und erwarb fünf Jahre später die amerikanische Staatsbürgerschaft. Diese wurde ihm 1999 wieder entzogen. Seine juristischen Eingaben dagegen wurden 2001 in letzter Instanz vom Obersten Gerichtshof abgewiesen. Danach begann das Abschiebeverfahren. Seit 1979 haben die USA 72 Personen wegen früherer NS-Tätigkeit die Staatsbürgerschaft entzogen und 57 abgeschoben. (APA/AP)