Wien - Der angeschlagene österreichische Kunststoffhersteller High Tech Plastics HTP wird nicht zerlegt bzw. teilweise abverkauft, sondern soll über ein tief gehendes Sanierungskonzept bis 2005 wieder in die schwarzen Zahlen gebracht werden.

Die Streitigkeiten, die nach einem tiefroten Jahresergebnis 2003 zwischen den Eigentümern ausgebrochen waren, hätten auf eine Weise beigelegt werden können, "dass sie das Unternehmen selbst nicht tangieren", sagte HTP-Aufsichtsratschef und Miteigentümer Willi Döflinger am Dienstagabend vor Journalisten in Wien.

Dörflinger und der Industrielle Hannes Androsch, die zusammen eine Sperrminorität halten, hatten sich beide aus dem Unternehmen zurückziehen wollen. Während Androsch (13,6 Prozent) über eine Vereinbarung mit Haupteigentümer Ernst Hofmann (47 Prozent) inzwischen tatsächlich die Weichen für eine Abschichtung seines Anteils gestellt hat, hat sich Dörflinger bei der Hauptversammlung Ende Mai zum Aufsichtsratschef wählen lassen und will Aktionär des Unternehmens bleiben. Eine Vereinbarung mit Hofmann ermöglicht ihm, seinen derzeit 13,8-prozentigen Anteil auf die Sperrminorität aufzustocken.

Neues Konzept bis Ende Juni

Bis Ende Juni soll HTP-Vorstandschef Siegwald Töfferl ein Konzept vorlegen, das eine stärkere Innovations-Orientierung und eine baldige und nachhaltige Rückkehr in die schwarzen Zahlen ermöglicht, sagte Dörflinger. Der auslaufende Vertrag des zweiten Vorstandsmitglieds Dieter Kron wird nicht verlängert.

In dem Vorstandskonzept soll u.a. die optimale Neuverteilung der Produktion auf die verschiedenen Standorte und die Orientierung auf höherwertige Produkte angedacht werden. Dörflinger schloss "schmerzhafte Einschnitte" nicht aus, "es gibt aber keinen Plan, 100 oder 150 Leute zu kündigen".

2004 wolle man wieder "in die Nähe eines ausgeglichenen Ergebnisses kommen", sollten 2005 keine schwarzen Zahlen möglich sein, "sind wir in der Sanierung gescheitert", sagte Dörflinger.

Standort Fohnsdorf als Sorgenkind

"Sorgenkind" sei der Standort Fohnsdorf und dort vor allem der Spritzgussbereich mit seinem veralteten Maschinenpark. Dörflinger war früher lange Zeit Werksleiter des Fohnsdorfer Eumig- bzw. AT&S-Werkzeugbaus gewesen, der im heutigen HTP-Standort aufgegangen ist.

HTP mit Stammsitz im burgenländischen Neudörfl beschäftigt in der obersteirischen Gemeinde heute rund 360 Mitarbeiter. Weder die Abspaltung des ehemaligen AT&S-Formenbaus noch die zuletzt diskutierte Abgabe der Flugzeug-Zulieferverträge für den Super-Airbus 380 sei noch ein Thema, sagte Dörflinger. Der Airbus-Auftrag (Fenster) soll in Fohnsdorf gefertigt werden.

Eine Kapitalerhöhung sei aktuell nicht geplant, aber auch nicht auszuschließen, sagte Dörflinger. Die Liquiditätssituation des Unternehmens sei "eng, aber nicht so, das sie nicht handelbar wäre". Einen eventuellen Rückzug von der Börse wollte Dörflinger auch nicht grundsätzlich ausschließen, sagte aber, dies sei aktuell nicht geplant.

81,5 Millionen Euro Umsatz

HTP, das zu mehr als 70 Prozent in die Autoindustrie liefert, hat im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 81,5 Mio. Euro einen Betriebsverlust (Ebit) von 6,7 Mio. Euro gemacht. Gerechnet war im Budget mit einem Minus von lediglich zwei bis drei Millionen worden. (APA)