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Am Mittwoch wollten zwei Touristen die Seegrotte besichtigen

Foto: APA/ HANS PUNZ
Hinterbrühl/Wien - Über die Ursache des Bootsunglücks in der Hinterbrühler Seegrotte wird weiter spekuliert. Werner Nussbaumer von der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt bestätigt lediglich, das gerichtliche Vorerhebungen gegen den Bootsführer sowie unbekannte Täter im Laufen seien, was aber noch keine Schuldzuweisung bedeute. "Wir warten auf die Ergebnisse der Gutachter", erläutert der Staatsanwalt. Hintergründe bleiben rätselhaft

Auch die Ermittler der Kriminalabteilung Niederösterreich rätseln noch über die Hintergründe, die am Pfingstmontag zum Tod von vier Deutschen und einer Belgierin geführt haben. "Es ist nach wie vor völlig offen, warum das Boot umgekippt ist", betont Oberst Franz Polzer. Bis Ende der Woche soll der Unglückstrimaran nun, wie berichtet, zerlegt und zur weiteren Untersuchung abtransportiert werden. Ab der kommenden Woche könnten mit einem zweiten Boot auch wieder Ausflüge auf dem See unternommen werden.

Zwei Touristen

Was für den Hinterbrühler Bürgermeister Benno Moldan (VP) besonders wichtig wäre. Die Bootstouren im Schaubergwerk seien Teil eines lokalen Besichtigungspakets, das auch bei Schlechtwetter durchgezogen werden könne: "Die Autobusse aus Wien fahren nach der Seegrotte auch noch zum Schubert-Gedenkhaus oder ins Stift Heiligenkreuz und kehren dann in einem Lokal ein." Ohne Grottentourismus, so Moldan, gäbe es massive Einbußen für die regionale Gastronomie. Am Mittwoch fanden sich zwei Touristen in der Seegrotte ein.

Seit 1932, dem Jahr der Eröffnung des Besichtigungsbetriebes, befindet sich die Seegrotte in Familienbesitz. Schon in der Zwischenkriegszeit, erläutert die derzeitige Mitgesellschafterin und Kogeschäftsführerin Eleonore Maurer, habe sich das Schaubergwerk zum touristischen Mittelpunkt der Mödlinger Region entwickelt. Jährlich bringen rund 250.000 Besucher einen Umsatz zwischen eins und 1,5 Millionen Euro.

Rüstungsbetrieb nach Enteignung

Die Nationalsozialisten enteigneten die Besitzer und funktionierten die Seegrotte zum Rüstungsbetrieb um. Zwangsarbeiter - politische Gefangene - stellten hier im Auftrag der Firma Heinkel den ersten Düsenjäger her.

Todesmarsch 1945

Gefangen gehalten wurden sie in einem oberhalb der Grotte befindlichen Außenlager des KZ Mauthausen, das laut Heinz Nussbaumer, Mitinitiator eines Gedenksteins anlässlich dieser Ereignisse, zwischen August 1944 und 1. April 1945 1800 Insassen hatte. In der Osternacht 1945 wurden die Häftlinge gezwungen, in Richtung Mauthausen zu marschieren, 150 von ihnen wurden dabei erschossen.

51 Menschen wurden zusätzlich in der Krankenstation mittels Benzinspritze ins Herz umgebracht: Ereignisse, auf die weder auf der Seegrotten- Homepage noch während der Führungen hingewiesen wird. Die Besucher werden nur über die Düsenjägerfertigung informiert. (bri, moe/DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2004)