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Der 58-jährige amerikanische Superstar Cher zog sich im Rahmen seiner Abschiedstournee das allerletzte Mal in der Wiener Stadthalle um ...

Foto: apa/epa/schmidt

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... Dazwischen gab es natürlich auch Gesang.

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Wien – Jetzt bitte einen Elefanten auf die Bühne. Warum? So halt. Und jetzt zack, zack! Sieht doch geil aus, oder? Zumindest aber könnte man es als Diva einfach nur wollen: dass sich untergeordnetes Dienstpersonal mindestens einen halben Tag lang den Kopf zerbricht, wie man das bewerkstelligen könnte, so ein Vieh auf die Rampe zu bekommen und deswegen schon wieder einen weiteren Tag von der Frau Chef nicht gefeuert oder gedemütigt zu werden.

Steinpilze im April, Spargel im Dezember, frische Erdbeeren aus der Wallachei mit dem Pony-Express, junge Liebhaber aus sicheren Drittländern das ganze Jahr über, ab und an ein Kassenerfolg in Hollywood und die ewige Jugend aus dem OP: die verrückten Streiche der Reichen. Dann kommt zwar kein richtiger Dumbo auf die Bühne gerollt. Ein acht Kubikmeter füllender Albtraum aus dem Hause "Steiff Stofftiere" stellt inklusive synchron agierender Gustobubis und -mädis allerdings einen halbwegs passablen Ersatz dar. Der Star der heutigen Chose, der anfangs in einer Robe erscheint, die eher unabsichtlich an den Auftritt der Aliens in Mars Attacks erinnert, nimmt es gelassen. Immerhin hat sich jemand für sie bemüht.

Nach nur acht Kostümwechseln während drei Songs sind wir dann auch nach einer Richtung zünftigem Provinzdisco-Mitpasch-Sound gedeuteten, schmerzensreichen Geld-ist-nicht-alles-Version von U2s "I Still Haven't Found What I'm Looking For" über den Blues der Multimillionärin wie du und ich ("Song For The Lonely") in der Welt der großen Gesten angelangt. Diese setzt in der Liebe auf All Or Nothing. Und wenn nicht, dann aber: Bang Bang! Inzwischen sind die nächsten vier Songs bei zwei Kostümwechseln vor übergegangen. Und während man sich bei "We All Sleep Alone" angesichts der immer knapper werdenden Garderobe der 58-jährigen Gesangsdarstellerin aus USA fragt, warum sich auch normal wirkende Frauen so oft unters Messer legen wie Michael Jackson, sehnt man sich dann mit "Take Me Home" langsam nach dem Sofa. Es ist die Angst vor dem Tod, die uns alle umtreibt.

Am Schluss kommen noch das "Shoop Shoop-Lied" und die Bekenner-Hits "Strong Enough" und "Believe" zum Einsatz. Bei "If I Could Turn Back Time" haben wir alle sehr geweint. Nur Plüschelefanten bleiben immer jung. Cher hat zwischen Edelpuff, Hippiemädchen und Irokesin im neckischen Sadomaso-Tutu, diversen Filmzuspielungen ihres eigenen MTV-Wunschbildes und Einlagen mit synchron getanzten Teufelszeichen (Tatsache!) versprochen, dass dies ihre letzte Tournee sei. Das hat Tina Turner übrigens auch schon.

Alfons Haider und Dagmar Koller waren jedenfalls total begeistert. Die dunkle Seite des Rock 'n' Roll. (DER STANDARD, Printausgabe vom 3.6.2004)