Minsk - Der weißrussische Nuklearmediziner und Regierungskritiker Juri Bandajewski ist nach fünf Jahren Lagerhaft in den gelockerten Vollzug entlassen worden. Der 47-jährige Wissenschaftler lebe aber noch immer unter "schrecklichen" Bedingungen, sagte sein Frau, Galina Bandajewskaja der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch. Derzeit werde er in der Region Grodno im Westen des Landes festgehalten.

Der frühere Leiter des medizinischen Forschungsinstituts in Gomel im Süden Weißrusslands wurde 1999 festgenommen und im Juni 2001 wegen Korruption zu acht Jahren Straflager unter verschärften Haftbedingungen verurteilt. Die Menschrechtsorganisation amnesty international führt Bandajewski als politischen Gefangenen.

In dem neuen Lager hausten bis zu zwölf Häftlinge in Barackenzellen einer ehemaligen Kaserne, sagte Bandajewskaja. Die Lebensbedingungen seien zwar besser als vorher, aber immer noch schrecklich: So gebe es kein warmes Wasser und selbst kaltes Wasser werde zeitweise abgestellt. Ihr Mann habe geweint, als er nach drei Tagen Fahrt in einem geschlossenen Bahnwaggon bei der Ankunft erstmals seit Jahren eine Lagerwache ohne Gewehr und Hund gesehen habe.

Gomel liegt in der Nachbarschaft zu Tschernobyl; von dem Atomkraftwerk in Tschernobyl ging am 26. April 1986 die schwerste Katastrophe in der zivilen Nutzung der Atomkraft aus. Bandajewski erforschte vor seiner Verhaftung die Folgen von Radioaktivität auf die Gesundheit der Bewohner in der zu weiten Teilen verstrahlten Region. Der Regierung warf er Unverantwortlichkeit und Vertuschung der Folgen des Reaktorunfalls vor. (APA)