Turin - "Noch ist es zu früh, um über eine Änderung des Managements zu sprechen." Die neu designierte Fiat-Nummer-zwei Sergio Marchionne schloss bei seiner ersten Pressekonferenz in Turin weder ein neuerliches Revirement noch weitere Stellenkürzungen aus. Er bestätigte einzig, den von seinem Vorgänger eingeleiteten Sanierungsplan fortsetzen zu wollen.

Der 52-jährige Italo-Kanadier Marchionne, der fünfte Fiat-CEO innerhalb von zwei Jahren, gab sich also eher zurückhaltend. Er sei erst ein paar Stunden im Amt, begründete der profilierte Sanierer internationaler Konzerne seine Vorsicht. Auch wenn ihm der neue Fiat-Präsident Luca di Montezemolo Vertrauen aussprach, fragen sich Unternehmenskreise, wie weit die beiden harmonieren werden. Jedenfalls reagierte der Aktienmarkt auf die von beiden Spitzenmanagern versprochene "Kontinuität und Stabilität" positiv: Die Kurse legten seit Wochenbeginn kräftig zu.

Medienkritik an Demel

Als Erstes will sich Marchionne die Autodivision mit 40 Prozent des Gesamtumsatzes vornehmen. Sie wird seit wenigen Monaten vom Wiener Topmanager Herbert Demel geleitet. Ob der ehemalige Magna-Chef, der von dem am Wochenende zurückgetretenen Fiat-CEO Giuseppe Morchio nach Turin geholt wurde, auch unter der neuen Konzernführung die Sanierungsarbeit fortsetzen werde, ist nicht sicher. In italienischen Medien wurde in den letzten Wochen Kritik laut, dass von Demel "nichts zu hören sei". Immerhin konnte Fiat Auto innerhalb der ersten drei Monate 2004 den operativen Verlust zum Vorjahr mehr als halbieren. Martin Leach, ehemaliger Topmanager beim US-Konzern Ford, versucht gleichzeitig die angeschlagenen Konten von Ferrari-Maserati zu verbessern.

Bis Jahresende 2004 wollen sich die Fiat-Manager auch mit General Motors einigen: Die im Jahr 2000 geschlossene Vereinbarung zwischen Fiat und GM räumt dem amerikanischen Partner bis 2010 das Recht auf die restlichen 80 Prozent Anteile an Fiat Auto ein. Die Amerikaner wollen dieses Recht nicht nutzen. Nun wird nach einem Kompromiss gesucht. Der Plan von Montezemolo war seit je, einen italienischen Luxusauto-Pool mit Alfa Romeo, Maserati und Ferrari zu bilden. (Thesy Kness-Bastaroli, Der Standrad, Printausgabe, 03.06.2004)