Wien - Im ÖGB herrschte am Mittwoch höchste Geheimhaltungsstufe vor dem Gipfeltreffen der fünf Teilgewerkschaften Privatangestellte (GPA), Metaller, Agrar-Nahrung-Genuss, Drucker und Chemie mit ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch und ÖGB-Finanzchef Günter Weninger. Weder Ort (ÖGB-Zentrale) noch Zeit (Donnerstag vormittag) sollten an die Öffentlichkeit dringen.

Auf der Tagesordnung steht der weitere Fahrplan für die Gründung der neuen Gewerkschaft (G5), bei der es zuletzt zu heftigen Turbulenzen gekommen war (DER STANDARD berichtete). Das Ausscheren der Chemiegewerkschafter, aber auch das laut Metaller-Boss Rudolf Nürnberger "erheblichst gestörte" Verhältnis zu GPA-Chef Hans Sallmutter hat die G5-Fusion mehr oder wenige auf Eis gelegt.

Chemie-Vorsitzender Wilhelm Beck wird an der Sitzung nicht teilnehmen - er hat zu kurzfristig von dem Termin erfahren. Stellvertretend kommt Bundessekretär Peter Schaabl, dieser hat allerdings "keine hohen Erwartungen".

Bei der von ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch organisierten Sitzung sollen im wesentlichen zwei Themen besprochen werden: die GPA-Privatstiftung und das neue Gewerkschaftshaus in Wien-Erdberg.

Metaller-Boss Nürnberger hatte im Vorfeld heftige Kritik an der GPA-Privatstiftung geübt. Sie umfasst nicht nur die GPA-Wohnbauvereinigung, sondern auch kommerzielle Gesellschaften wie die Gasometer-Mall-Beteiligungs- und Errichtungsgesellschaft. Nürnbergers Forderung: die GPA-Privatstiftung soll durch das ÖGB-Präsidium sanktioniert werden. Im Klartext: die GPA soll sich von der Gasometer-Mall trennen.

Ebenfalls auf der Tagesordnung steht die neue Gewerkschaftszentrale in Wien-Erdberg. Eigentümer des Objekts, das derzeit von der GPA errichtet wird, soll auf Wunsch der Teilgewerkschaften der ÖGB werden.

In der GPA betonte man am Mittwoch einmal mehr, dass von eigener Seite alle Vorbereitungen für die so genannten "Übertragungsgespräche" getroffen wurden. Die Metaller wollen am Freitag über die weitere Vorgangsweise beraten. (Barbara Tóth/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.6.2004)