Graz - Der steirische Landeskonzern Estag (Energie Steiermark Holding AG) muss mit neuerlichen Turbulenzen rechnen. Im Unternehmen wird erwartet, dass der gefeuerte Exvorstand Gerhard Hirschmann, der auf Wiedereinstellung klagt, in erster Instanz Recht bekommen und damit neue politische Wirbel auslösen könnte. Was letztlich auch zu einem abermaligen Wechsel an der Führungsspitze der Estag führen könnte.

Andererseits dürfte auch die Weigerung des Unternehmens, Dividenden ans Land zu zahlen, neue Konflikte provozieren.

Im Zuge der Bilanzlegung, in der zwar die bisher beste operative Performance, aber auch massive technische Abwertungen von Tochterunternehmen dokumentiert wurden, kündigten die Interimsvorstände Johannes Ditz und Peter Schachner-Blazizek an, dass heuer keine Dividende gezahlt werden kann. Grund: notwendige Abwertungen.

Zuvor war bereits auf Landesebene ein veritabler Streit um die erwarteten Dividenden ausgebrochen. SPÖ und FPÖ verlangten von der Eigentümervertreterin, Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, die Dividende zur Abgeltung der Strompreiserhöhung zu verwenden. ÖVP-Finanzlandesrätin Christina Edlinger-Ploder hatte die Gelder wiederum fix im Landesbudget verbucht. 2002 belief sich die Dividende in Summe auf 27,5 Mio. Euro. Ein pikantes Detail: Der Verbund, der über eine Estag-Tochter im Konzern sitzt, verhandelt dieser Tage sehr wohl über eine Dividende.

Kritik von Paierl

Warum heuer das Land keine Dividende bekommt, ist unklar. Die Estag schwimmt in Geld. Sie verfügt über eine Eigenkapitalbasis von knapp 50 Prozent. Der Cashflow belief sich 2003 auf fast 200 Mio. Euro. Daher wurde auch im Vorfeld der Bilanzerstellung eine Kapitalherabsetzung mit Ausschüttung an die Eigentümer konkret diskutiert.

Der zurückgetretene Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl bestätigte am Mittwoch im Gespräch mit dem STANDARD entsprechende Verhandlungen. Paierl: "Es war von uns fix vereinbart, dass das Land Dividenden ausbezahlt bekommt." Es sei nicht notwendig gewesen, dass das Land so vorschnell die Absage der Dividende akzeptierte. Paierl: "Bei der hohen Eigenkapitalquote wäre eine Herabsetzung kein Problem. Es ist für das Unternehmen sogar ungesund, auf so viel Cash zu sitzen."

Demnächst dürfte aber noch ein weiteres Detail der Causa Estag für Wirbel sorgen. An der Unternehmensspitze wie auch in juristischen Kreisen wird bereits fix damit gerechnet, dass der gefeuerte Exvorstand Hirschmann, der auf Wiedereinstellung klagt, in erster Instanz Recht bekommt. Es wird davon ausgegangen, dass die Blockabstimmung, mit der Hirschmann gemeinsam mit seinen beiden Vorstandskollegen Werner Heinzl und Hubert Jeneral wegen "Handlungsunfähigkeit" vor die Tür gesetzt wurden, erst höchstgerichtlich ausjudiziert wird. Sollte Hirschmann Recht bekommen, würde der Druck auf Klasnic, ihn wieder einzusetzen, steigen. Das Chaos in der Landespolitik und in der Estag wäre perfekt. (Walter Müller, Der Standard, Printausgabe, 03.06.2004)