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Wien - Für Herbert Fechter ist dieser verregnete Junitag ein relativ guter geworden. Er hat die Eine-Million-Euro-Frage schlussendlich richtig beantwortet. "Bekennen Sie sich der Abgabenhinterziehung schuldig?" - "Ja", hat er gesagt. - Das war klug. Das bedeutete: 1,000.000 Euro. (Strafe.)

Der bleiche Konzertveranstalter mit dem gut geheim gehaltenen Charisma kann nicht anders, als Richtern und Schöffen zum Abschied die Hände zu schütteln. Er ist vier Fünftel billiger davon gekommen, als es der Strafrahmen zugelassen hätte.

(im Bild: Reinhard Fendrich (li) und Herbert Fechter (re))

Foto: APA/ Roland Schlager

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Wenigstens eine Krawatte hätte er sich umhängen können

Etwas Farbe in diesen insofern grautönigen Prozess, als die Öffentlichkeit davon ausgeschlossen war, brachte Zeuge Rainhard Fendrich, der für sein veräußertes Privatleben bekannt gebliebene Popbarde, hinein. Schülerin Alexandra hätte sogar beinahe ein Autogramm von ihm verlangt, aber es standen zu viele Kameraleute im Weg herum. Und ins Fernsehen wollte sie mit Fendrich nun auch wieder nicht.

"Wenigstens eine Krawatte hätte er sich für den Anlass umhängen können", murrte der Richter eines benachbarten Verhandlungssaals. Laut eigenen Angaben lebt der Musiker auf Mallorca derzeit "wie ein Bauer vor 50 Jahren, nur dass ich ein Studio habe". Auf die mäßig spannende, aber häufig gestellte Reporterfrage "Was machen Sie allein auf Mallorca?" antwortet er gerne: "Was ich will."

(im Bild: Reinhard Fendrich und sein Anwalt Manfed Ainedter)

Foto: APA/ Roland Schlager

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Fendrich wusste nichts

Im Zeugenstand dürfte Fendrich von den steuerlichen Ungereimtheiten seines früheren Managers den größtmöglichen Abstand genommen haben. Das kränkte Fechter bis in seine Schlussworte als Beschuldigter: "Ich manage seit 38 Jahren Künstler, immer zu ihrem Vorteil. Ich habe viele von ihnen reich und berühmt gemacht", sagte er.

Als auch das Finanzamt irgendwie dabei sein wollte, waren fast alle bereit, die Bringschuld zu teilen und Buße zu tun. "Nur der Herr Fendrich will nichts gewusst haben. Er wird mit den Lügen, die er uns hier aufgetischt hat, leben müssen!" (Fendrich hatte verschwiegene Abgaben 1995 in letzter Minute zurückgezahlt und sich damit ein Finanzstrafverfahren erspart.)

Foto: APA/ Roland Schlager

Domizilgesellschaften im Ausland

Bei Herbert Fechter einigte sich das Schöffengericht auf 2,6 Millionen Euro, die der Manager der Behörde vorenthalten hatte. Das gelang ihm mittels Domizilgesellschaften im Ausland, wo die Einnahmen steuerschonend zwischenlandeten.

Exklusiv für die Augen der Finanzbeamten wurde ein großes Kontingent an Freikarten in Umlauf gebracht. Musiker wie U2, Simply Red und Roger Whittaker machten Fechter insofern Freude, als ihre Steuern bereits abgeführt waren, ehe sie der Manager noch einmal fürs Finanzamt abzog.

Die Strafe von einer Million Euro stellte Anklagebehörde und Verteidigung gleichermaßen zufrieden. Somit ist das Urteil rechtskräftig.

(im Bild: Herbert Fechter (re) und sein Anwalt Herbert Eichenseder (li))

(Daniel Glattauer, DER STANDARD Printausgabe 3.6.2004)