Tiflis - Georgien hat die Entsendung von Truppen an die Grenze der abtrünnigen Region Süd-Ossetien verteidigt. Niemand könne Georgien davon abhalten, auf georgischem Territorium für Ordnung zu sorgen und gegen Schmuggel zu kämpfen, sagte Ministerpräsident Surab Schwania am Mittwoch in Tiflis. Georgien hatte am Montag hunderte Soldaten an die Grenze zu der abtrünnigen Region entsandt. Offiziell gilt der Einsatz dem Kampf gegen den Schmuggel. Beobachter sehen ihn jedoch als weiteren Schritt beim Versuch des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili, seine zersplitterte Republik zusammenzuhalten.

Anfang Mai hatte sich Saakaschwili bereits im Machtkampf mit der ebenfalls abtrünnigen Region Adscharien durchgesetzt und die Provinz seiner direkten Verwaltung unterstellt. Der 36-jährige Präsident, der erst im Jänner zum Nachfolger des nach friedlichen Protesten zurückgetretenen Eduard Schewardnadse gewählt wurde, kündigte daraufhin an, auch Süd-Ossetien und Abchasien wieder unter seine Kontrolle bringen zu wollen. Russland kritisierte die Truppenentsendung am Dienstag als Verstoß gegen internationale Übereinkommen.

Gespräch

Am Mittwoch trafen Vertreter Georgiens, Russlands und Süd-Ossetiens zu einem Gespräch in der süd-ossetischen Hauptstadt Zchinwali zusammen. Dabei sollte es nach Angaben des georgischen Sicherheitschefs Wano Merabischwili um Pensionszahlungen an Bewohner Süd-Ossetiens, mehr Bewegungsfreiheit für die Bewohner sowie um die Eröffnung einer Bahnverbindung zwischen Tiflis und Zchinwali gehen.

Süd-Ossetien kämpft seit Anfang der 90er Jahre um seine Unabhängigkeit von Georgien. Die Region will sich Nord-Ossetien im benachbarten Russland angliedern. 1992 zogen sich georgische Truppen unter dem Druck Russlands aus Süd-Ossetien zurück. Obwohl sie damit faktisch unter russischem Protektorat steht, gilt die Region offiziell immer noch als Teil Georgiens. Schätzungen zufolge hat über die Hälfte der Bevölkerung Süd-Ossetiens einen russischen Pass. (APA)