Wien - Nach dem Tod eines Patienten in einem Dachboden im Geriatriezentrum am Wienerwald kommt erneut die Forderung nach einer Schließung der Anstalt.

Wie berichtet war Dienstagvormittag ein 62-jähriger Patient tot in einem versperrten Dachboden eines Pavillons entdeckt worden. Der psychisch kranke Mann war seit dem 1. April abgängig gewesen. Neben den polizeilichen Ermittlungen zum Ablauf der Tragödie, untersuchen nun auch Wiens Pflege-Ombudsmann Werner Vogt und sein Team die Hintergründe. Klar ist bisher nur, dass der Mann nicht verhungert oder verdurstet, sondern relativ rasch gestorben sein dürfte: Am Auffindungsort fanden sich weder Exkremente noch Spuren eines Todeskampfes.

Kritik

Auf politischer Ebene sorgt der Fall mittlerweile für Wellen: Die Wiener Grünen verlangen den raschen Abbau von "ungeeigneten Großheimen". Die FPÖ fordert die Abberufung der ärztlichen Direktorin von Lainz, Angelika Rosenberger-Spitzy, sowie des Generaldirektors des Krankenanstaltenverbundes, Eugen Hauke. VP-Sozialsprecherin Ingrid Korosec spricht von einem "totalen Versagen" der Pflegepolitik.

"Moloch"

Die grüne Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz erklärt, der Vorfall verdeutliche, dass "anonyme, abgewohnte Bettenburgen ungeeignet für kranke und alte Menschen sind". Wer gegenteiliges behaupte, sei "zynisch und hartherzig". Ins gleiche Horn stößt Korosec: Der "Aufbewahrungs-Moloch" sei "alles andere als zeitgemäß".

Neue Suchmodalitäten

Seitens der Pflegeombudstelle kündigte man an, sich mit den Suchmodalitäten kritisch auseinandersetzen zu wollen: "Vielleicht gibt es da Dinge die man ändern kann oder muss." Nach Vorstellungen der Pflegeombudschaft solle eine "Hausaufsicht" unbenutzte Pavillons regelmäßig unter die Lupe nehmen - unabhängig davon, ob Patienten als abgängig gemeldet sind. Seitens des Krankenanstaltenverbandes wurde am Mittwoch angekündigt, den Suchmodus zu überarbeiten.

Pittermann weist Rücktrittsforderungen zurück

Rücktrittsforderungen an sie oder andere im Pflegebetrieb stehende Personen werden von Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann allerdings zurückgewiesen: Es gelte, so Pittermann, derartige Vorfälle zu verhindern, nicht Sündeböcke für "tragische Vorfälle, die sich nie ganz verhindern lassen werden" zu suchen.

Kleinere Einheiten

Die Größe von Pflegeeinrichtung, so Pittermann, spiele dabei keine Rolle. Es sei aber ohnehin geplant, in Lainz sukzessive kleinere, überschaubare Einheiten zu schaffen. "Allen, die jetzt von der unmenschlichen Größe sprechen muss aber auch klar sein, dass dort - gerade wegen der Größe - all jene unterkommen, die die als so vorbildlich beschriebenen kleineren Einrichtungen nicht aufnehmen." (APA, DER STANDARD Printausgabe 3.6.2004)