Wilfried Seipel ist vieles: ORF-Stiftungsrat, Akademie-Universitätsrat, Konsulent, Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums - und ein Meister der Verharmlosung. Gegenüber ORF, APA und "Kurier" beteuerte er, dass die Kritik des Rechnungshofs ganz harmlos sei. Daher ist auch für Bildungsministerin Elisabeth Gehrer alles ganz harmlos.

Ganz harmlos soll es auch 1979 zugegangen sein, als Seipel in Ägypten Skarabäen erwarb. Ein "Souvenirkauf" sei das gewesen, sagte er 1990 im "Standard"-Interview: "Wenn man eine gewisse Zuneigung zu ägyptischen Altertümern hat (...), war das ganz normal. Das hat jedes Grabungsmitglied getan, dass man hin und wieder so einen Skarabäus (...) gekauft hat." Obwohl die Ausfuhr antiker Objekte streng verboten war.

Die gewisse Zuneigung ist geblieben: Der KHM-Geschäftsführer Seipel verkaufte dem Privatmann Seipel zwei ägyptische Grabbeigaben, Uschebtis genannt, die das Museum als Konvolut mit vier weiteren erworben hatte - obwohl der Geschäftsführer laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung im Jahr 2002 wusste, dass er das Sammlungsgut nur leihweise vom Staat erhalten hat und keinesfalls verkaufen darf.

Die zwei Uschebtis seien gar nicht im Inventarbuch des Museums eingetragen gewesen, sagte Seipel nun zum "Kurier". Da dieser den RH-Bericht nicht kennt, kann man ihm ja alles erzählen. Tatsächlich aber bestätigte Seipel auf der Rechnung die Inventarisierung in der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung.

Es waren doch nur Doubletten, verharmlost Seipel. Ach ja? Der Verkauf passierte 1999. Und erst Ende 2002, nachdem die Prüfer Aufklärung erbeten hatten, wurde ein diesbezügliches Gutachten erstellt. Es stammt natürlich nicht von Seipel. Aber von seiner Mitarbeiterin in seinem Auftrag. Also ganz harmlos. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2004)