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GV-Mais auf einem EU- Feld - ein seltenes Bild: Die Freisetzungsversuche wurden großteils gestoppt

Foto: APA/ Uli Deck
Die EU mit ihren strengen Zulassungsregeln für GV-Mais und anderes verändertes Saatgut ist ein hartes Pflaster für Agrarkonzerne, die - auch - auf Gentechnik setzen. Der Qualität der Testverfahren tue das nur gut, betont man im heimischen Umweltbundesamt.
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Wien/Maintal - Der neue GV-Mais der Firma Syngenta komme ganz ohne Antiobiotika-Gen aus, versichert Rainer Linneweber, Sprecher des Agrarmultis im deutschen Maintal. Kein Marker mehr in der Getreidezelle, der Maisesser - Tiere und Menschen - bisher gegen Antibiotika resistent machen konnte: "Das wird die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen."

Gefahr - nachweisbare Gefahr - habe ohnehin nie bestanden. Das zeigten die Erfahrungen in Ländern wie den USA oder Argentinien, betont auch Felix Rudolph, Geschäftsführer der heimischen Firma Pioneer Saaten. Dort habe gentechnisch verändertes Mais-, Soja-, Baumwollsaatgut "schon seinen Weg gemacht". Anders als in der EU, wo man "emotional und nicht technisch-faktisch" an die neue Agrartechnologie herangehe.

Strengste Zulassungsregeln

Tatsächlich herrschen in der EU die weltweit strengsten Zulassungsregeln für GV-Saaten. Auch die neuen EU-Mitgliedsstaaten äußerten sich "eher in die skeptische Richtung hin", fasst Helmut Gaugitsch vom heimischen Umweltbundesamt die ersten polnischen, estländischen, slowakischen Stellungnahmen zu den mehreren Dutzend in Brüssel laufenden Zulassungsverfahren zusammen.

Diese Skepsis, so Gaugitsch, sei erfreulich für all jene, denen an gründlichen Testverfahren vor den ersten Aussaaten gelegen ist: an einem Risikomanagement mithilfe von "Langzeittests", deren Aussagekraft über die von den Konzernen lang betriebenen Untersuchungen nach dem Prinzip der substanziellen Äquivalenz hinausgeht.

Tests

Letztere hatten auf reinen Vergleichen in Sachen Aussehen, Nährwert und allergisches Potenzial mit bereits auf dem Markt befindlichen Getreidesorten basiert. Gab es hier und binnen einer Nachfrist keine Einwände, konnte die Sorte in den Verkauf gehen. Die neuen Tests hingegen umfassten etwa "echte Inhaltsstoffuntersuchungen", betont Gaugitsch. Vor dem Hintergrund, dass die Genveränderung den Eiweiß- oder Fettgehalt einer Getreide- oder Obstsorte verändern kann.

Alles in allem, so Gaugitsch, eröffne die Gentechnik im Agrarbereich "Chancen, aber auch Gefahren". Eine Einschätzung, die für die Umweltschutzgruppen wie Greenpeace oder Global 2000 viel zu zahm ist. Global 2000 vergleicht die Genfood-Risiken gar mit jenen des Insektizids DDT, das nach Jahren der Anwendung als langzeitwirksames Gift aus dem Verkehr gezogen wurde.

(Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 3.6.2004)