Wien - Heftige Kritik an Israels Vorgehen gegen die Palästinenser haben palästinensische und israelische Friedensorganisationen am Mittwoch in Wien geübt. In der Podiumsdiskussion wurde auch der fehlende internationale Druck auf Israel bemängelt.

"Nach dem Rückzug aus Gaza wird die israelische Armee alle Übergänge zu Land, Wasser und in der Luft kontrollieren", betonte Hassan Jabareen, Leiter der arabischen Menschenrechtsorganisation "Adalah". "Die Menschen werden ihre Zukunft nicht kontrollieren können, sie werden Gaza nicht verlassen können, es wird wie in Südafrika in den Zeiten der Apartheid sein", betonte der Aktivist.

Das Vorgehen der israelischen Armee in Rafah habe erstmals seit langer Zeit wieder die israelische Öffentlichkeit mobilisiert, sagte Jabareen. Aber politisch werde der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon weiterhin unterstützt, weil viele in Sharon die einzige Lösung sehen würden. Die internationale Gemeinschaft würde ähnlich reagieren. "Die Welt gab Sharon volle Legitimität für seine Rückzugspläne - ganz nach dem Motto "Zumindest tut er irgendwas", ergänzte Jabareen.

"Statt Sanktionen zu verhängen, denkt die EU darüber nach, wie man Israel in die EU integrieren kann", pflichtete Randa Siniora, Leiterin der palästinensischen Menschenrechtsorganisation "Al-Haq", bei. Obwohl die Absicht hinter der von Israel gebauten Schutzmauer die Annektierung von noch mehr Land sei, würde die Weltgemeinschaft tatenlos zusehen, erboste sich Siniora. "Unser Alltag, unsere Arbeit, jeder Aspekt unseres Lebens ist von dieser Mauer betroffen", betonte die Aktivistin.

Siniora sparte auch nicht an Kritik in den eigenen Reihen. "Wir werden auch mit Menschenrechtsverletzungen seitens der palästinensischen Behörden konfrontiert", so Siniora. Früher habe es dazu noch Statistiken gegeben. Seit dem teilweisen Zusammenbruch des Autonomiesystems gebe es keine Foltervorwürfe mehr, da alle Gefangenen freigelassen worden wären. In einigen Gebieten herrsche daher das Recht des Stärkeren, die Gewalt nehme zu.

Entschieden sprachen sich alle Diskutanten gegen palästinensische Terroranschläge aus, forderte aber gleichzeitig politische Ausstiegsszenarien. "Wenn man Menschen ohne Perspektiven ihrem Schicksal überlässt, werden viele weiterhin in Anschlägen die einzige Lösung sehen", sagte Hassan Jabareen dazu. (APA)