Washington - In Zusammenhang mit der Vergabe von Milliarden-Wiederaufbau-Aufträgen an den US-Konzern Halliburton im Irak haben Abgeordnete der Demokraten in den USA am Mittwoch von Justizminister John Ashcroft die Einsetzung eines Sonderermittlers verlangt.

Rolle von Cheney

Der Opposition geht es um Klärung der Frage, ob das Büro des republikanischen Vizepräsidenten Richard Cheney und möglicherweise sogar Cheney selbst eine rechtswidrige Rolle bei der Vergabe der lukrativen Aufträge für die Reparatur der Ölanlagen im Irak gespielt haben. Cheney war von 1995 bis zur Kandidatur im Jahr 2000 Spitzenmanager bei Halliburton.

Neue Nahrung hatte der Verdacht durch die Veröffentlichung einer von einem Offizier des US-Army-Ingenieurs-Corps stammenden E-Mail durch das Magazin "Time" am Wochenende bekommen, in der die Rede davon ist, die Vergabe der Aufträge an das Unternehmen sei vom Büro Cheneys "koordiniert" worden. Der Schreiber der E-Mail ist dem Stellvertretenden US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz direkt unterstellt. Die Mail stammt vom 5. März 2003.

Das Gesamtvolumen der Irak-Aufträge für den in Texas ansässigen Service-Dienstleiter wird in Regierungskreisen auf bis zu 18 Milliarden Dollar geschätzt. Die Aufträge reichen von Reparaturmaßnahmen an der zerstörten und teilweise maroden irakischen Ölindustrie bis hin zur Truppenversorgung.

Vorwürfe bestritten

Cheneys Büro und das Verteidigungsministerium haben die Vorwürfe einer Einmischung in die Vergabe bestritten. Eine Stellungnahme Ashcrofts gab es zunächst nicht. Der Spitzenrepräsentant der Demokraten im US-Senat, Tom Daschle, nannte die Vorwürfe so gravierend, dass im Fall einer Bewahrheitung nicht nur Ermittlungen, sondern "korrigierende Maßnahmen" erforderlich würden. Von Cheney und dem Weißen Haus sei eine Erklärung fällig, "je eher sie kommt, umso besser."

US-Präsident George W. Bush und Cheney treten zur Wiederwahl im November als Team der Republikaner an. (APA/Reuters)