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Foto: REUTERS/Kevin Lamarque
Washington - Die USA sind nach Meinung des langjährigen Sicherheitsexperten im Weißen Haus, Richard Clarke, noch immer nicht ausreichend auf einen neuen massiven Terroranschlag vorbereitet. "Die Fixierung von US-Präsident Bush auf den Irak-Krieg hat auch nach den Anschlägen vom 11. September 2001 verhindert, dass genug für den Kampf gegen den Terrorismus getan wird", sagte Clarke in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Washington. Jüngste Terrorwarnungen von Justizminister John Ashcroft hätten vor allem eine Alibifunktion, meinte Clarke. Sein Enthüllungsbuch "Against All Enemies" (Gegen alle Feinde) über Hintergründe des Anti-Terror- Kampfes und des Irak-Krieges ist in den USA ein Bestseller.

Die Sicherheit in der US-Luftfahrt ist zwar nach Ansicht Clarkes deutlich verbessert worden. Bahnen, Häfen oder chemische Anlagen seien aber nach wie vor nicht genug geschützt. Sollte es unmittelbar vor der Präsidentenwahl am 2. November einen Terroranschlag geben, könnte dieser die Wiederwahl von Bush sichern, meinte Clarke. "Dann würden sich alle um die Fahne versammeln", sagte er.

Bekämpfung der "Ursachen des islamischen Extremismus" ist wichtig

Clarke plädiert vor allem für eine Bekämpfung der "Ursachen des islamischen Extremismus". "Notwendig wäre die Stärkung moderater Kräfte in der arabischen Welt. Wir müssen die öffentliche Meinung über die USA ändern, den Kampf um die Köpfe und Herzen aufnehmen", meinte Clarke, der bis 2003 unter insgesamt vier Präsidenten als Terror-Experte gearbeitet hat.

US-Einsatz im Irak zu beenden, wäre erster Schritt

Die umgehende Beendigung des US-Einsatzes im Irak wäre seiner Ansicht nach ein erster wichtiger Schritt, um dem weltweiten Anti-Amerikanismus zu begegnen. Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry biete zumindest "eine Chance" für eine bessere US-Politik: "Schlimmer als jetzt kann es auf keinen Fall werden."

US-kritische Haltung ist für europäische Länder keine "Versicherung gegen Terroranschläge"

Die kritische Haltung europäischer Staaten wie Deutschland zur US- Politik bedeutet nach Ansicht Clarkes "keine Versicherung gegen Terroranschläge... Gegenüber islamistischen Extremisten kann es keine Beschwichtigungspolitik geben." Für die Terroristen bilde die ganze westliche Welt das Feindbild. Deutschland nehme die Terrorgefahr inzwischen sicher ernster als früher, aber es sei fraglich, ob hier die Gesetze ausreichten, um mit dem Terrorismus fertig zu werden. Die Sichtweisen europäischer Regierungen haben bei den Diskussionen im Weißen Haus über den Kampf gegen den Terror und den Irak-Krieg nach den Worten von Clarke keine große Rolle gespielt.

Sein Buch ist gerade auf Deutsch mit dem Titel "Against All Enemies - Insiderbericht über Amerikas Krieg gegen den Terror" erschienen (Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 384 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 3-455-09478-3). Clarke will an diesem Freitag nach Deutschland kommen, um sein Buch vorzustellen. (APA/dpa)