Wien - Anlässlich des 65. Geburtstags des österreichischen Kernphysikers und langjährigen Leiters des Atominstituts der Österreichischen Universitäten, Helmut Rauch, den dieser bereits am 22. Jänner gefeiert hat, findet am Freitag in Wien ein Symposium zum Thema "Quantenphysik mit Neutronen, Atomen und Photonen" statt.

Erwartet werden dazu prominente Wissenschafter, die meisten davon Schüler Rauchs, unter anderen der Festkörperphysiker Kurt Binder (Uni Mainz), der Halbleiterphysiker Heinrich Kurz (Technische Hochschule Aachen), die Quanten- und Atomoptik-Spezialisten Harald Weinfurter (Uni Müchen) und Jörg Schmiedmayer (Uni Heidelberg) sowie der Experimentalphysiker Anton Zeilinger (Uni Wien).

Nachweis von Materiewellen

Vor genau 30 Jahren, 1974, ist Rauch mit dem von ihm entwickelten Neutronen-Interferometer der erstmalige Nachweis von Materiewellen auf makroskopischem Maßstab gelungen und damit der Beweis, dass ein und dasselbe Teilchen sowohl Materie als auch Welle sein kann. Rauch habe mit diesen Arbeiten zur Neutronen-Interferometrie eine wissenschaftliche Schule begründet und Wien zum "Weltzentrum der Materiewellen-Interferometrie" gemacht, erklärte der Organisator des Geburtstagssymposiums und selbst Schüler Rauchs, Gerald Badurek, Dekan der Fakultät für Physik der Technischen Universität (TU) Wien.

Für Nobelpreis nominiert

Er habe eine Vielzahl an Schülern hervorgebracht, die weiterhin auf diesem Gebiet arbeiten und es weiterentwickeln. Auch ein Teil von Zeilingers spektakulären Experimenten steht in der Tradition seines Doktorvaters, über den er einmal gesagt hat: "Er lehrte mich zu unterscheiden, was wichtig ist und was nicht und dass man nicht unbedingt alles verstehen muss, um eine interessante Frage zu stellen."

Rauch soll für seine Arbeiten immer wieder für den Physik-Nobelpreis nominiert gewesen sein. Und als 1994 der Kanadier Bertram N. Brockhouse und der US-Forscher Clifford G. Shull den Nobelpreis für die Enthüllung der Struktur und Dynamik der Materie und die Entwicklung von Neutronenstreuungstechniken erhielten, meinte viele, dass es sich Rauch durchaus verdient hätte, der dritte im Bunde der Laureaten zu sein. Die Anwendbarkeit seiner Arbeiten steht für den Wissenschafter nicht im Vordergrund, vielmehr "die Lust des Naturwissenschafters am Wissen schlechthin", wie er einmal sagte.

Rauch wurde am 22. Jänner 1939 in Krems (NÖ) geboren. Er studierte von 1957 bis 1962 technische Physik an der Technischen Universität (TU) Wien, wo er 1965 promoviert wurde. Fünf Jahre später erfolgte die Habilitation für das Fachgebiet Neutronen- und Reaktorphysik. Seit 1972 ist Rauch Professor für experimentelle Kernphysik und Vorstand des Atominstituts der Österreichischen Universitäten.

1977 wurde er mit dem Schrödinger-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ausgezeichnet, 1985 mit der Wilhelm Exner-Medaille. Rauch ist Mitglied der Academia Europaea und der ÖAW (seit 1990) sowie der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (seit 1995). Von 1991 bis 1994 war Rauch zudem Präsident des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF). (APA)