München - Die Münchener Rückversicherung sieht sich auf bestem Weg zu einem Rekordgewinn von zwei Mrd. Euro. Auch das zweite Quartal sei bisher gut gelaufen, sagte Controlling-Vorstand Jörg Schneider am Donnerstag in München. Nach dem spektakulären Verlust im Vorjahr habe die Münchener Rück die Wende geschafft.

Der Gewinn von 534 Mio. Euro im ersten Quartal sei der Maßstab: "Diese Profitabilität wollen wir nun über das Jahr liefern", sagte Schneider. Die Kapitalmärkte seien zwar nervös, aber das Versicherungsgeschäft sei auch im April und Mai gut gelaufen. Der Deckeneinsturz im Pariser Flughafen Roissy-Charles de Gaulle könnte der Rückversicherung zwar eine mittlere zweistellige Millionensumme kosten; aber die Überschwemmungen in der Karibik und das Erdbeben in Iran träfen die Gruppe nicht.

"Zuversichtlich"

In der Erstversicherung ziehe das Neugeschäft an. "Insgesamt sind wir für das zweite Quartal zuversichtlich", sagte das Vorstandsmitglied. Auf Jahressicht erwarte die Münchener Rück unveränderte Prämieneinnahmen, eine niedrige Schaden-Kosten-Quote unter 97 Prozent, ein stabiles Kapitalanlageergebnis und unterm Strich zwei Mrd. Euro Gewinn. "Wir sind gut unterwegs", bekräftigte Schneider.

Analysten und Börse reagierten positiv, der Aktienkurs legte bis zu Mittag leicht zu. Katharina Blanke von der NordLB lobte vor allem die Ertragswende bei den Ergo-Erstversicherern. Der angestrebte Jahresgewinn sei ehrgeizig, aber nicht unrealistisch. Jochen Schmitt von der Landesbank Rheinland-Pfalz verwies auf die Verbesserungen des Ergebnis ohne Einmaleffekte.

Beitragseinnahmen sinken

Im ersten Quartal habe die Gruppe mit 855 Mio. Euro Gewinn vor Abschreibungen und Steuern ein hervorragendes Ergebnis erzielt, sagte Schneider. Dazu trug auch das Ausbleiben von Naturkatastrophen bei.

Die Beitragseinnahmen der Rückversicherung sanken zwar wegen des schwachen Dollars und einer strengeren Abwägung von Prämien und Risiken um 5,4 Prozent. Aber die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich auf 96,3 Prozent, und das Ergebnis stieg deutlich auf 498 Mio. Euro. "Wir werden der Versuchung widerstehen, nicht adäquat gepreistes Geschäft in die Bücher zu nehmen. Entscheidend ist, was hinten rauskommt, und das ist mehr als erfreulich", sagte Schneider. Im Gesamtjahr würden die Beitragseinnahmen leicht unter Vorjahresniveau liegen, auch weil ein Vertrag mit einem britischen Großkunden reduziert werde. Aber Risikoprofil und Ertragspotenzial würden noch besser.

Rückkehr in die Gewinnzone

Die Erstversicherung schaffte im ersten Quartal die Rückkehr in die Gewinnzone mit einem Ergebnis von 43 Mio. Euro. Die betriebliche Altersversorgung wuchs zwar, doch die Nachfrage nach Lebensversicherungen litt unter der Steuerdiskussion und der gesenkten Gewinnbeteiligung. Wegen der ab 2005 zu erwartenden Besteuerung erwartet Schneider jetzt bis zum Jahresende einen starken Anstieg des Neugeschäfts.

Die Beiträge in der Krankenversicherung gingen allein wegen des Verkaufs der niederländischen DKV-Tochter zurück, die Einnahmen der Schaden- und Unfallversicherung stiegen leicht. Im Gesamtjahr erwarten die Erstversicherungen der Münchener Rück insgesamt ein moderates Wachstum und mehr Gewinn.

Das Ergebnis der Kapitalanlagen bewertete der Chefbuchhalter im ersten Quartal als zufrieden stellend. Der Anteil der Aktienanlagen sei von 33 Prozent im Jahr 2001 auf jetzt 14,7 Prozent halbiert worden.(APA/AP)