Wien - Fünf Premieren bietet die Wiener Kammeroper in der Saison 2004/05 an. Mozarts "La finta giardiniera" hat am 7. Oktober Premiere, das Kammermusical "Avenue X" von Ray Leslee wird am 16. Dezember zur Europäischen Erstaufführung gebracht. Der Bereich der Barockoper wird ab 24. Februar 2005 mit der Österreichischen Erstaufführung von John Blows "Venus & Adonis" abgedeckt. Heutiges Musiktheater soll die Österreichische Erstaufführung von Dmitri Schostakowitschs "Moskau, Moskau" bieten (Premiere: 7. Mai 2005). Die Sommerproduktion (Donizettis "Rita" ab 17. Juli 2005) wird erstmals nicht im Schönbrunner Schlosstheater, sondern im Stammhaus stattfinden.

Klares Profil, unklare Fianzen

"Wir sind Narren - immer auf der Jagd nach dem Besonderen, dem Feinen, der Rarität", sagte Co-Direktor Holger Bleck bei der Spielplan-Pressekonferenz am Donnerstag und versprach "wilde Zeiten". Mit ihren vier programmatischen Säulen Opera buffa, Musical, Barockoper und Moderne biete die Kammeroper dennoch ein "klares Profil in der Programmlinie". Die wirtschaftliche Situation sei jedoch "Besorgnis erregend". Mit einem Budget von zwei Mio. Euro bringe man jährlich fünf Opernproduktionen in 90 bis 100 Vorstellungen heraus, während etwa das Theater an der Wien künftig für ein ähnliches Produktions- und Vorstellungsvolumen zehn Mal mehr Budget benötige.

Die Kammeroper mache einen jährlichen Betriebsverlust von 150.000 bis 200.000 Euro, der Schuldenstand sei noch höher, denn "seit einigen Jahren wird Minus geschrieben." Die Situation sei den Subventionsgebern (vom Bund gibt es weniger Geld als früher, die Beiträge der Stadt sind seit einigen Jahren gleich geblieben) bekannt, hinter den Kulissen werde verhandelt. Bleck: "Die Finanzlage ist prekär und muss eigentlich jetzt gelöst werden, damit wir in den nächsten Jahren so spielen können wie bisher."

Sowjetischer Silvesterrenner

"La finta giardiniera" (Regie: Elaine Tyler Hall), mit der der frühere Konzertgeiger und nunmehrige Dirigent und Geiger Hatori sein Operndebüt gibt, soll im Mozartjahr 2006 auf Tournee gehen, eines der Wunschziele ist Japan. "Avenue X" (Inszenierung und Choreografie: Alonso Barros) bezeichnete der Dirigent Michael Schnack als "Ausnahmeerscheinung in der heutigen Musical-Landschaft" und versprach "einen richtigen Hör- und Theatergenuss". Ganz ohne Orchester werden a capella die ethnischen Spannungen und sozialen Probleme der Bewohner einer x-beliebigen Straße einer x-beliebigen Großstadt behandelt.

"Das Barockfestival zu unserem 50-Jahr-Jubiläum war ein überwältigender Erfolg mit 99 Prozent Auslastung. Das bestärkt uns, auch in diesem Bereich weiter nach Raritäten zu suchen", sagte Isabella Gabor, mit Bleck Leiterin der Kammeroper. Fündig wurde man bei einer 1682 geschriebenen Oper von John Blow, die unter der musikalischen Leitung von Bernhard Klebel auch mit Musik des Blow-Schülers Henry Purcell ergänzt wird. Inszenierung und Ausstattung besorgen Daniel Angermayr und Thomas Görge, die im Juli Schlingensiefs Bayreuther "Parsifal" ausstatten werden. Sie wollen stark mit Videoprojektionen arbeiten. Nicola Raab stellt mit "Moskau, Moskau" ihre dritte Regiearbeit an der Kammeroper vor. Sie bezeichnete Schostakowitschs Satire über Korruption und Stadtplanung im Moskau der 50er Jahre als szenisch abwechslungsreiche und herausfordernde Operette, "entstanden in dem klitzekleinen Fenster der Tauzeit nach dem Tod von Stalin". 1962 wurde nach der Bühnenvorlage ein Film gedreht, der sich im sowjetischen TV zum "Silvesterrenner a la 'Dinner for one'" entwickelt haben soll.

Sommerspaß daheim

Die Sommeroper "Rita" (Dirigent: Daniel Hoyem-Cavazza) nannte Gabor "ein etwas mehr als einstündiges Operchen im Stil der Commedia dell'Arte", bei der die Wirtin Rita ständig ihren Mann verprügelt. Regisseur Paul Flieder versprach einen "witzigen und deftigen Sommerspaß": "Die teilweise sehr drastischen Szenen sind für einen Regisseur natürlich schön - es wird also keine Stehoper werden." Jeder Abonnent erhält eine Gratiskarte für die Produktion, die aus finanziellen Gründen im Stammhaus gezeigt wird. Die im Schönbrunner Schlosstheater stark gestiegenen Mietkosten (laut Bleck rund 80.000 Euro) konnte und wollte man sich nicht mehr leisten, eine Lösung ab 2006 wird noch gesucht. Das Finale des 23. Internationalen Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerbs findet am 4. Juli im Festsaal des Wiener Rathauses statt. (APA)