Berlin - Als am frühen Morgen des 6. Juni 1944 die Streitkräfte der Alliierten ihre Landung in der Normandie mit einem Großaufgebot an Kriegsschiffen und Militärflugzeugen begannen, standen ihnen gerade mal zwei deutsche Landdivisonen und eine hoffnungslos unterlegene Luftflotte gegenüber.

Die deutschen Militärs hatten mit der Landung zwar schon seit Monaten gerechnet, doch erwarteten sie die Truppen aus den USA, Großbritannien und Kanada viel weiter nördlich an der Kanalenge bei Calais. Adolf Hitler und seine Offiziere hatten die Lage falsch eingeschätzt - und sich zudem durch Finten hinters Licht führen lassen.

Umgedrehte Spione

Während des Zweiten Weltkriegs lieferten den Deutschen dutzende Spione Informationen aus Großbritannien. Der größte Teil der deutschen Agenten war 1944 allerdings vom britischen Geheimdienst längst enttarnt und dann erfolgreich "umgedreht" worden. In der Aktion "Double Cross" (Doppelspiel) überbrachten die Spione der Wehrmacht von den Briten bearbeitetes Material für eine bevorstehende Invasion.

Diese gefälschten Informationen wurden mit Täuschungsmanövern unterfüttert. So befehligte etwa der legendäre US-General George Patton im Südosten Englands gegenüber Calais eine Geisterarmee. Dort wurden von Filmleuten gebaute aufblasbare Gummipanzer und Papp-Kanonen aufgefahren, im Hafen von Dover täuschten hunderte aus Sperrholz gebastelte Schiffe die Mobilisierung für einen baldigen Angriff vor. Die Szenerie wurde von unbedrängt gelassenen deutschen Aufklärungsflugzeugen "entdeckt" und fotografiert und stützte mit gefälschtem Funkverkehr die Agenteninformationen.

Operation "Fortitude South"

Außerdem zeigten die Briten dem gefangenen deutschen General Hans Cramer freimütig die echte Invasionsarmee, die sich bei Portsmouth sammelte. Cramer wurde allerdings erzählt, er befinde sich bei Dover. Der nach einer Verwundung festgenommene General wurde kurz darauf nach Deutschland entlassen, wo er von dem Gesehenen berichtete und Hitlers Auffassung vom Invasions-Ziel Calais bestärkte.

Die verschiedenen Tricks liefen bei den Alliierten als Operation "Fortitude South". Diese war Teil des von US-Präsident Franklin Roosevelt, Großbritanniens Premier Winston Churchill und dem Sowjetherrscher Josef Stalin auf der Teheran-Konferenz 1943 beschlossenen Täuschungs-Programms "Bodyguard". Historiker gehen davon aus, dass diese Operationen zwar nicht entscheidend für den Ausgang der Landung waren. Sie waren aber ein wichtiger Mosaikstein zum Erfolg. (APA)