Lissabon - Die Parteien in Portugal kämpfen bei der Europawahl gegen einen gemeinsamen Gegner: das Desinteresse der Wähler. Die Portugiesen haben schon seit Jahren die Neigung, an Wahlsonntagen lieber daheim zu bleiben. Bei Wahlen zum EU-Parlament gilt dies ganz besonders. 1999 gaben in Portugal nur 40 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.

In diesem Jahr kommt hinzu, dass die Wahl in die Zeit der Fußballeuropameisterschaft fällt. Die Parteien versuchen, auf der Welle der Fußballbegeisterung mit zu schwimmen. Die regierenden Mitte-Rechts-Parteien PSD und CDS/PP treten in Anlehnung an einen Schlachtruf der Fußballfans unter der Bezeichnung "Forca Portugal" an. Auch die oppositionellen Sozialisten (PS) greifen zu fußballerischem Vokabular und rufen die Wähler auf, der Regierung die "gelbe Karte" zu zeigen.

Nach Umfragen haben die Sozialisten einen knappen Vorsprung. Ein solcher Ausgang wäre für die Regierungsparteien schon ein Erfolg, die in der Wählergunst bis vor kurzem weit hinten gelegen hatten. "Die Wahl wird keinen Einfluss auf die Lage in Portugal haben", schreibt die Zeitung "Publico". "Vielleicht wird das Kabinett umgebildet. Aber eine Umbildung kann es auch ohne gelbe Karte geben." (APA/dpa)