Prag - Die erste Teilnahme an einer Wahl zum Europäischen Parlament droht in Tschechien zu einer Niederlage der Regierung von Ministerpräsident Vladimir Spidla zu werden: Umfragen zufolge kann die sozial-liberale Koalition lediglich mit 6 der zu vergebenden 24 Sitze rechnen. Eine so deutliche Schlappe wäre eine Quittung für die schmerzhaften Reformen im Sozialbereich, glauben Politologen. Hingegen könnte die Opposition aus Konservativen (ODS) und Kommunisten (KSCM) nach Umfragen insgesamt 17 Sitze erreichen.

Paradoxer Weise würden damit jene beiden Parteien als "Sieger" aus der Europawahl am 11. und 12. Juni hervorgehen, deren Haltung zur Europäischen Union von Skepsis und Ablehnung geprägt ist. Die ODS von Präsident Vaclav Klaus sieht in der EU ein "Bürokratie-Monster" und warnt im Wahlkampf gar vor Brüssel als "neuer Hauptstadt Tschechiens". Klaus gilt dabei als Wortführer der EU-Kritiker und will zum Beispiel bis heute nicht verraten, wie er beim Referendum über den EU-Beitritt Tschechiens gestimmt hat.

Insgesamt bewerben sich etwa 30 Parteien um einen Sitz im Europa- Parlament. Von ihnen besitzen aber laut Umfragen nur fünf ernsthafte Chancen, die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. Viel hängt jedoch von der Wahlbeteiligung ab, die Experten auf 50 Prozent schätzen. (APA/dpa)