Die Philips Semiconductors Styria in Gratkorn nördlich von Graz, nach Angaben von Standortleiter Volker Graeger das weltweite Kompetenzzentrum des Konzerns für chip-basierte Identifikationstechnologien will wegen der guten Geschäftsentwicklung bis Jahresende den Mitarbeiterstand von 150 auf 180 erhöhen. Anwendung finden die kontaktbehafteten und kontaktlosen Halbleiterprodukte im Sicherheitsbereich (elektronische Wegfahrsperren), in der Logistik als "Smart Labels" für einzelne Produkte oder als "Smart card" für den Bereich öffentlicher Verkehr. Verstärkt reüssieren will man mit der neuen NFC-Technologie.

NFC

In Gratkorn will man künftig verstärkt auf die vor Ort entwickelte Near Field Communication (NFC) setzen. Diese standardisierte Schnittstellentechnologie ermöglicht laut Graeger den kontaktlosen Austausch von Daten zwischen elektronischen Geräten bei einer Entfernung von wenigen Zentimetern. Damit sollen Technologiebarrieren wie komplizierte Set-up-Prozeduren oder unübersichtliche Menüs beider Verknüpfung der Funktionen bzw. Datenübertragung verschiedener elektronischer Geräte realisiert werden. Dazu zählen etwa die kabellose Verbindung zwischen Digitalkameras, PC oder Mobiltelefonen. "So kriegt man das Wohnzimmer kabelfrei", sagte Graeger.

Ende des Jahres

Die ersten NFC-kompatiblen Geräte wie TV-Sets werden Ende des Jahres vom Mutterkonzern Philips auf den Markt gebracht, auch Sony und Nokia würden die Vermarktung in diese Richtung vorantreiben, hieß es. Ein anderer möglicher Anwendungsbereich wurde von Entwicklungsleiter Hubert Watzinger und Kommunikationschef Alexander Tarzi demonstriert.

Über Mobiltelefon oder PDA

Über einen in einem Konzertankündigungsplakat integrierten Smart Chip könnten mittels NFC über Mobiltelefon oder PDA Informationen herunter geladen werden, oder über eine weitere Funktion Karten bestellt und bezahlt werden. Das Handy diene dann beim Eintritt als Ticket. Über die Kosten für den Konsumenten könnten derzeit keine Angaben gemacht werden. Die Business-Modelle bei Mobilfunkanbietern, Ticketserviceunternehmen und Veranstalter müssten aber wohl geändert werden, sagte Standortleiter Graeger.

Flächendeckend

Die bisherigen Anwendung der kontaktlosen Identifikation im RFID-Bereich (Radio Frequency Identification) - wie etwa beim niederländischen öffentlichen Verkehr - liefen gut, hieß es. Dieses Jahr werde der Testbetrieb in Rotterdam aufgenommen, 2007 soll das System mit einer Karte für alle holländischen Verkehrsbetriebe dann flächendeckend umgesetzt werden.

"RFID-Technologie entwickelt in Gratkorn"

Stolz ist man bei Philips Semiconductors, dass man bisher nahezu eine Milliarde Halbleiter mit "RFID-Technologie entwickelt in Gratkorn" im verkauft habe. Gratkorn sei auch jener Standort mit der höchsten Patentrate im Konzern. Die Fertigung erfolge ja nach Kapazität in Holland, Hamburg oder Asien. Das erfolgreiche Wirken soll sich in der Bildung eines steirischen RFID-Clusters niederschlagen. Diesbezüglich gebe es bereits Gespräche mit öffentlichen Stellen und entsprechenden Unternehmen, so Human Resources-Managerin Barbara Stampf. Ein erstes Projekt sei bereits im Laufen. (APA)