Belgrad - Der serbische Vizeministerpräsident Miroljub Labus hat am Donnerstag davor gewarnt, bereits von Experten gelöste Fragen in Zusammenhang mit der Rechtsnachfolge Jugoslawiens erneut zum Thema zu machen. "Die Menschen, die damals verhandelt haben, bekleiden ihre früheren Posten nicht mehr. Wir haben ein Problem in der serbisch-montenegrinischen Regierung", kritisierte der stellvertretende Regierungschef. Laut Labus könnten die Fragen der gemischten Geschäftsbanken, des Militäreigentums sowie der Einsicht in die Archive der serbischen (früher jugoslawischen) Notenbank wieder aufgenommen werden.

Das im Jahr 2001 in Wien ausgehandelte Sukzessionsabkommen ist am Donnerstag in Kraft getreten. Die Lösung einiger Fragen steht allerdings noch aus. Dazu zählt auch die Aufteilung von Notenbank-Geldreserven bei einigen US-Geschäftsbanken, die so genannten Clearing-Schulden der früheren Sowjetunion, aber auch die Aufteilung von 122 diplomatischen Vertretungen des ehemals gemeinsamen Staates. Bei der Unterzeichnung des Sukzessionsabkommens wurden symbolisch nur fünf Botschaftsgebäude unter den fünf Nachfolgestaaten (Serbien-Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien und Mazedonien) aufgeteilt.

Labus kündigte am Donnerstag außerdem an, er werde sich "aus gesundheitlichen Gründen vorläufig aus dem öffentlichen Leben" zurückziehen. Diese Ankündigung kommt zehn Tage vor der Präsidentschaftswahl, bei der der Ultranationalist Tomislav Nikolic als Favorit gilt. Labus' Expertenpartei G17-plus hatte zuvor angekündigt, sie werde von der Regierungskoalition zurücktreten, sollte Nikolic aus den Wahlen als Sieger hervorgehen. Der Präsidentschaftskandidat der Regierungskoalition, Dragan Marsicanin, scheint Beobachtern zufolge kaum Siegeschancen zu haben. (APA)