Danke, Herr Minister, es war wichtig, dass das wieder einmal ausgesprochen wurde: Es gibt neben dem europäischen Denken auch ein spezifisch österreichisches. Österreichisch gedacht, handelt es sich dabei sogar um das wichtigste Denken überhaupt.

Mit der Geburt verpflichtet sich der Österreicher, bis an sein Lebensende österreichisch zu denken. Wechselt er den Wohnsitz, nimmt er sein Denken mit. Ist er im Ausland tätig, kann er die Spuren des Landesverrats mit besonders ambitioniertem österreichischem Denken verwischen. (Gouverneur Schwarzenegger hält sich dabei recht wacker.)

Österreichisch gedacht, bestraft sich der Österreicher durch chronisches Jammern ohnehin stündlich dafür, (nur) ein Österreicher in Österreich zu sein. An Regentagen im Juni geht dieses Jammern in masochistische Mieselsucht und gruppendynamisch ausgetragene Kummeraggressionen über. (Autofahrer gegen Radfahrer gegen Fußgänger gegen Autofahrer ...)

Wenn nun ein Tiroler, der Österreich für Brüssel im Stich gelassen hat, glaubt, er könne anfangen, europäisch zu denken, noch dazu laut, so sollte man ihn strafweise einen Juniregentag lang dem Wiener öffentlichen Verkehr aussetzen. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.6.2004)