Als "Weltökonom" wurde der frühere deutsche Finanzminister und SPD-Chef Oskar Lafontaine gerne bezeichnet. Zu einer Zeit, als die Bewegung der Globalisierungsgegner noch schwach war, hatte er sein Mantra von der Notwendigkeit der Dominanz der Politik über die Macht des freien Marktes längst gefunden.

Am Donnerstag fand sich Lafontaine in Wien ein, um dem SPÖ-Spitzenkandidaten Hannes Swoboda rhetorisch unter die Arme zu greifen: "Es kann sich kein EU-Land an den Stabilitätspakt halten, weil das von Grund auf ein Konstrukt ist, das nicht funktioniert", wetterte er gegen die engen Grenzen für die Budgetdefizite, die "die neoliberalen Kräfte" mit der Einführung des Euro, der Währungsunion, auf den Weg gebracht hätten.

"Die Amerikaner, die lachen über uns", sagte er, in den USA habe man verstanden, "dass Fiskal-, Geld- und Wirtschaftspolitik zusammengehören", dass man in Zeiten der Krise nicht immer noch mehr sparen, sondern mit gezielten Investitionen das Wachstum ankurbeln müsse. Ohne expansive Fiskalpolitik könnten Reformen nicht funktionieren, und wenn der Europäischen Zentralbank "schon nix einfällt, dann sollen sie wenigstens nachmachen, was US-Notenbanker Greenspan macht": die Zinsen senken, Investitionen ankurbeln, Konsum fördern. (Thomas Mayer/DER STANDARD, Printausgabe, 4.6.2004)