Wien - Zwei Fälle, in denen Polizisten unter aufklärungsbedürftigen Umständen von ihren Schusswaffen tödlichen Gebrauch gemacht haben, werden öffentlich verhandelt. Am Freitag wurde die Verhandlung um jenen Polizist, der im August 2002 in der Wiener Innenstadt den 28-jährigen Binali I. erschossen hatte, vertagt. Kommenden Montag beginnt vor dem Wiener Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS) ein Verfahren rund um den im Jänner 2004 nach einer Amokfahrt erschossenen Lkw-Fahrer Nicolae J. (35).

Fragen um Amtshandlung

Im UVS-Verfahren soll die Frage geklärt werden, ob diese Amtshandlung rechtswidrig war. Ob gegen den Schützen Anklage erhoben wird, steht noch nicht fest. Eine solche liegt im Fall Binali I. schon länger vor. Der 28-Jährige hatte nach Darstellung seiner Angehörigen unter zeitweisen schizophrenen Schüben und Realitätsverlust gelitten. In einem derartigen Zustand dürfte er eine Verkäuferin und eine Passantin bedroht haben.

Auf alarmierte Polizisten soll Binali I. mit einer Mineralwasserflasche losgegangen sein. Ein Beamter feuerte darauf zwei Schüsse hintereinander ab, Binali I. starb.

Fall wanderte

Die Gerichtsverhandlung gegen den Polizisten hätte eigentlich im Bezirksgericht Innere Stadt stattfinden sollen. Doch mit dem Zusatz "unter gefährlichen Verhältnissen" wanderte der Fall wegen des damit verbundenden höheren Strafrahmens an das Landesgericht. Im Fall eines Schuldspruchs drohen dem Beamten bis zu drei Jahre Gefängnis. (APA, simo, DER STANDARD Printausgabe 4.6.2004)