Wien - Am 29. Juni steht definitiv fest, ob der FPÖ-Vorzugsstimmen-Kämpfer Andreas Mölzer EU-Abgeordneter wird - auch wenn die FPÖ weniger als drei Mandate bekommen hat. Dann gibt nämlich die Bundeswahlbehörde das amtliche Endergebnis und die Vorzugsstimmen-Ergebnisse bekannt. Allerdings veröffentlichen die Bundesländer schon in den Tagen davor ihre Ergebnisse.

Mölzer ist auf dem - laut Umfragen wenig aussichtsreichen - dritten Listenplatz der FPÖ gereiht. Schafft er es, Vorzugsstimmen im Ausmaß von sieben Prozent der Parteisumme zu bekommen, fällt ihm das erste - vielleicht sogar das einzige Mandat - zu, das die FPÖ bekommt. Spitzenkandidat Hans Kronberger hat darauf verzichtet, ebenfalls einen Vorzugsstimmen-Wahlkampf zu führen.

Am Wahlsonntag werden die Vorzugsstimmen noch nicht ausgezählt. Die Landeswahlbehörden warten damit, bis die Wahlkarten aus dem Ausland eintreffen. Sie müssen bis spätestens 21. Juni, 12.00 Uhr, in Österreich einlagen.

Bisher keine Auswirkung

Bei den bisher zwei EU-Wahlen 1996 und 1999 haben die Vorzugsstimmen nichts bewirkt. Über die Sieben-Prozent-Grenze kamen nur Ursula Stenzel (V) im Jahr 1996 und Johannes Voggenhuber (G) 1996 und 1999. Da beide ohnehin Spitzenkandidaten ihrer Parteien waren, konnten sie nicht vorgereiht werden. Ohne Wirkung blieben auch die mehr als neun Prozent Vorzugsstimmen für Johann Strohmayer 1999 - weil seine Partei, das LIF, überhaupt kein Mandat bekam.

Wenige machten Gebrauch

Bei der Wahl 1999 haben die Wähler auch sehr zurückhaltend Gebrauch von dieser Möglichkeit, mitzubestimmen, wer ein Mandat bekommen soll. Nur 219.016 Wähler, das waren gemessen an den insgesamt gültigen Stimmen 7,82 Prozent, haben eine Vorzugsstimme neben der gewählten Partei eingetragen. Bei der ersten Wahl der österreichischen EU-Parlamentarier 1996 waren es immerhin noch 509.586 Wähler bzw. 13,43 Prozent. Damals mobilisierte allerdings allein die vom ORF quer eingestiegene ÖVP-Spitzenkandidatin Ursula Stenzel die Rekordzahl von 168.078 Vorzugsstimmen.

FPÖ-Wähler besonders zurückhaltend

Besonders Vorzugsstimmen-faul zeigten sich bisher die Wähler der FPÖ und auch der SPÖ. Bei beiden Parteien kamen bei beiden EU-Wahlen alle Kandidaten gemeinsam nicht auf sieben Prozent - wobei es freilich keine so breit unterstützte Vorzugsstimmen-Kampagne wie die Mölzers gab.

Von den SPÖ-Wähler haben 1996 nur 6,53 Prozent einen Vorzugs-Kandidaten eingetragen, 1999 nochmals weniger (5,24 Prozent). Für alle FPÖ-Kandidaten gemeinsam wurden 1996 Vorzugsstimmen im Ausmaß von 6,70 Prozent der Parteisumme vergeben, 1999 4,49 Prozent. Dabei hatte 1996 der Niederösterreicher Erich Schreiner eine Vorzugsstimmen-Kampagne geführt, die der Ring Freiheitlicher Jugendlicher unterstützte. (APA)