Graz - Wenn es um die Versorgung von Herznotfallpatienten geht, dann kann den steirischen Notärzten ein sehr gutes Attest ausgestellt werden. Wie eine Studie des Grazer Medizinercorps anhand steirischer Herznotfallpatienten eines Jahres ergab, reagieren die Notfallmediziner in diesem Bereich mit großer Vorsicht: In etwa der Hälfte der rund 3.500 Notfälle wurde der Grad des Koronarsyndroms sogar schwerer eingeschätzt, als die spätere klinische Untersuchung ergab. Allerdings nehmen die Patienten den Dienst oft zu spät in Anspruch.

Herzkrankheiten sind tückisch: Viele Menschen haben ein krankes Herz, doch viele Jahre lang wissen sie nichts davon. Bis dann die typischen Herzschmerzen auftreten - und oft in einen akuten Notsituation enden. Dann wird allerdings oft noch zu lange zugewartet und erst in letzter Sekunde "die Rettung" geholt. Rund 3.500 Mal sind Mitarbeiter des Grazer Notarztsystems im Jahr 2001 ausgerückt, um beim Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom (ACS) - dazu zählen im Wesentlichen die Beschwerden bei einer instabilen Angina pectoris oder bei einem Herzinfarkt unterschiedlicher Schwere - medizinische Erstversorgung zu leisten.

"Tendenz zur Übervorsicht"

"Wir wollten erheben, wie genau die Diagnosen der Notärzte mit denen der Spitäler übereinstimmen. Dadurch sollte man sehen, ob Notfallmediziner Infarkte vielleicht gar nicht als solche erkennen", so Geza Gemes vom Notfallmedizinercorps - einer Vereinigung von rund 250 Medizinstudierenden und Medizinern, die für den Betrieb von zwei Notfallambulanzwagen im Grazer Stadtgebiet verantwortlich sind. Erhoben wurden die Notfall- und Behandlungsdaten von Patienten des LKH Graz des Jahres 2001. Die Studie wurde im Rahmen des Kongress der Arbeitsgemeinschaft für Notfallmedizin in Graz präsentiert.

"Es gibt die Tendenz zur Übervorsicht, um nur ja nichts zu übersehen", so Gemes. Mit 47 Prozent falsch-positiven Fällen - das heißt schwerer beurteilt als tatsächlich der Fall - rangieren die Grazer Notfallmediziner am oberen Ende einer Skala, die international zwischen 36 und 47 Prozent "zu schwer" beurteilte Prognosen zeigt. "Dass ein ACS nicht erkannt wird, ist allerdings ganz selten der Fall", so Gemez. So habe er im Rahmen der Studie insgesamt 54 falsch-negative Diagnosen registriert. Das sind rund 15 Promille. Internationale Richtwerte lägen bei mehreren Prozenten. (APA)