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Foto: APA/Pfarrhofer
Wien - Die Klimt-Villa in Wien-Hietzing soll am 8. Juni von der Liste der unveräußerlichen historischen Objekte des Bundes gestrichen werden, warnte am Freitag der Verein, der seit fünf Jahren das Objekt betreut. Man wolle verhindern, dass das ehemalige Atelier des Jugendstilkünstlers Gustav Klimt (1862 - 1918) "ungeschützt auf den Markt geworfen" wird, so Vorsitzender Georg Becker in einer Pressekonferenz.

Der Verein Gedenkstätte Gustav Klimt hat sich zu diesem Zweck mit der "Gemeinnützigen Österreichischen Baukultur Privatstiftung" verbündet. Sie soll das Gebäude vom Bund erwerben und als Gedenkstätte weiterführen. Einig waren sich alle Beteiligten, dass zunächst am 8. Juni in der Sitzung des Finanzausschusses des Nationalrats die Streichung von der Liste der historischen Objekte verhindert werden müsse. Ansonsten wäre die Verhandlungsposition erheblich geschwächt, so Becker.

Die nötigen Gelder

Grundsätzlich wäre die Baukulturstiftung bereit, für das Objekt 685.000 Euro zu zahlen und es äußerlich (etwa durch Änderungen am Dach) in den Zustand der 20er Jahre zurück zu versetzen. Das Innere hingegen solle der Klimt-Zeit nachempfunden werden, erläuterte Regisseur Gerhard Tötschinger als Stiftungssprecher. Der nebenliegende Flachbau soll abgerissen und durch einen modernen Neubau ersetzt werden.

Bei einer ersten Versteigerungsrunde am 26. Jänner 2004 sei die Baukulturstiftung von einem privaten Investor überboten worden. Man sei damals um 5.000 Euro unterlegen, obwohl der Verein seit Jahren ideelle Werte in das Objekt eingebracht habe, die zu berücksichtigen seien, so Tötschinger.

Angst vor Rufverlust

Dieses Verfahren sei "unwürdig", beklagte sich der Stiftungssprecher. Gelinge es Österreich nicht, diese Klimt-Gedenkstätte zu erhalten, "geht unser Ruf verloren", befürchtete Tötschinger. Bereits das Geburtshaus und das zweite Atelier des Künstlers seien abgerissen worden - bei der letzten verbliebenen Wirkungsstätte dürfe dies nicht wieder geschehen. Er verstehe zwar, dass das Grundstück lukrativ sei, "es baut ja aber auch kein Mensch ein Hochhaus auf dem Heldenplatz."

"Eine kulturpolitische Bankrotterklärung" sei das Vorgehen in ihren Augen, pflichtete die ebenfalls anwesende Klubobfrau der Grünen im niederösterreichischen Landtag, Madeleine Petrovic, bei. Private müssten sich den Mund fusselig reden, obwohl die Verantwortlichen "auf die Knie sinken sollten", dass man noch so ein Kulturdenkmal besitze.

Bestbieter wehrt sich gegen Spekulations-Vorwürfe

Am Montag wies die WiMo GesmbH, die den Zuschlag für das Objekt erhalten hatte, alle Vorwürfe von sich. Man wolle die Gedenkstätte erhalten, sagte Geschäftsführer Wilhelm Rasinger. Illusorisch seien allerdings die Pläne des Mitbewerbers, täglich 600 Personen zu finden, die bereit wären, sieben Euro Eintritt zu zahlen. Dazu sei die Villa einfach zu klein: "Da sind sie in zehn Minuten durch", so Rasinger, der selbst Vereinsmitglied ist, nach internen Querelen nun aber auf Seiten der Konkurrenz agiert. Da die Gedenkstätte nicht selbsttragend zu führen sei, müsse man weitere kulturelle Nutzungen andenken, meinte Rasinger, dessen Unternehmen bei einer Auktion am 26. Jänner für 685.000 Euro den Zuschlag für die Villa in der Feldmühlgasse erhalten hatte.

"Ich halte nichts davon, dass man eine große Klimt-Show aufzieht" - die sei bereits im Belvedere beheimatet, konkretisierte Rasinger seine Pläne. "Geld zu verdienen ist dort nicht", stellte er klar. Es sei aber wichtig, den Park für den Bezirk zu erhalten und mit kultureller Nutzung zu beleben. Deshalb wolle er selbst Geld aus seinem Privatvermögen einbringen, da er selbst in der Nachbarschaft wohne und seinen Bezirk beleben wolle.

Den angrenzenden Flachbau möchte Rasinger wie die Konkurrenz abreißen lassen. Im Neubau könnte er sich im untersten Geschoß einen Kindergarten vorstellen, während im zweiten Stock Künstlerwohnungen einzurichten wären.

Es handle sich bei der Reaktion des Vereins "um den Frust eines Bieters, der nicht zum Zuge gekommen ist". Bedauerlich sei, dass dadurch allerdings die im Vergabeverfahren entscheidenden Stellen verunsichert würden. Denn nun laufen laut Rasinger die Vertragsverhandlungen. Das Verfahren solle weitergeführt werden, er stehe auch zu den Denkmalschutz-Auflagen. (APA)