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An der Weltkonferenz in Bonn nahmen mehr als 3.000 Delegierte und Beobachter teil.

Foto: AP/Michael Sohn
Bonn - Mit einem verbindlichen Aktionsprogramm für die Energiewende hin zu Sonne, Wind, Wasser und Biomasse ist die Weltkonferenz für erneuerbare Energien in Bonn zu Ende gegangen. Die Delegierten aus 154 Ländern verabschiedeten am Freitag außerdem die "Deklaration von Bonn" und politische Empfehlungen. Darin bekannten sie sich zu einem deutlichen Ausbau des Anteils erneuerbarer Energien, um die Abhängigkeit von fossilen, klimaschädlichen und begrenzten Brennstoffen wie Öl, Kohle und Gas zu verringern.

Erklärung verabschiedet

In der Deklaration werden erneuerbare Energieträger als eine "höchst wichtige und weit verbreitete Energiequelle" festgeschrieben, dazu zählen auch Biomasse und Erdwärme. Erneuerbare Energien könnten "signifikant zu nachhaltiger Entwicklung" sowie zum Klima- und Umweltschutz beitragen, heißt es in der Erklärung weiter. Eine Formulierung, wonach diese Quellen künftig zur "wichtigsten" Energie würden, hatten die deutschen Gastgeber jedoch nicht durchsetzen können.

Zur Bekämpfung der Armut in den Entwicklungsländern soll bis zu einer Milliarde Menschen mit regenerativen Energien erstmals Zugang zu Elektrizität verschafft werden. Pröll: "Kontroversielle Diskussion"

Für den österreichischen Umweltminister Josef Pröll (V) war die Bonner Konferenz "erst der Anfang des Weges in Richtung erneuerbare Energien". Die Diskussion sei durchaus auch kontroversiell geführt worden, das Schlusspapier enthalte zwar keine zahlenmäßigen Vorgaben, aber ein klares Bekenntnis zum Ausbau erneuerbarer Energien und "dazu, dass die Nationalstaaten dafür die politischen Rahmenbedingungen schaffen", sagte Pröll in einem Statement gegenüber der APA. Auch die stark vertretenen Schwellenländer hätten versprochen, das Thema nun aufzugreifen.

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Das Aktionsprogramm enthält gut 130 konkrete Projekte von Ländern, Organisationen und Unternehmen. "Minister und Regierungsvertreter teilen die Vision, dass erneuerbare Energien, kombiniert mit gesteigerter Energieeffizienz, zu einer höchst wichtigen und breit verfügbaren Energiequelle werden", heißt es in der Deklaration.

Kritik von NGOs

Regierungsunabhängige Umwelt- und Entwicklungsorganisationen kritisierten, dass nur etwa jedes zehnte Projekt des Aktionsplans tatsächlich neu sei und einen Beitrag zum Klimaschutz leiste. Greenpeace Österreich bezeichnete die Erklärungen als "Lippenbekenntnisse", die umgekehrt proportional zur tatsächlichen Förderung der erneuerbaren Energien seien. Angesichts des jüngsten Ölpreis-Höhenfluges fordert die Umweltschutzorganisation, fossile und atomare Energie in Österreich mittels Ökosteuern zu verteuern und erneuerbare Energien stärker zu fördern.

SPD-Weizsäcker warnt vor neuem Bau von AKW

In Deutschland warnte der SPD-Politiker Ernst Ulrich von Weizsäcker vor dem Bau neuer Atomkraftwerke als Reaktion auf den Ölpreisanstieg: "Ich würde nicht sagen, dass das weiterhilft", sagte der Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag mit Blick auf die von der Union angeregte Rückbesinnung auf die Kernkraft am Freitag im WDR 5 "Morgenecho". "Der Anlass ist doch die Besorgnis über die Stabilität von Saudi-Arabien und die Sorge vor dem Terrorismus gegenüber Ölleitungen. Und da muss man doch nicht mit derjenigen Energiequelle kommen, die in Bezug auf Terrorismus die mit Abstand größten Sorgen verbreitet, nämlich die Atomenergie", kritisierte Weizsäcker.

Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien sprach sich der SPD-Politiker für den Ausbau von Gas- und Dampfkombikraftwerken aus. Es werde zunächst auch "ein halbwegs konventioneller Ersatz für die ganz veralteten Kohlekraftwerke" gebraucht, sagte Weizsäcker. Kombinierte Gas-/Dampfkraftwerke seien dafür sowohl wegen ihrer hohen Energieproduktivität als auch wegen ihres vergleichsweise geringen Kohlendioxidausstoßes besonders gut geeignet: "Das sind fantastische Programme, die uns in Deutschland mindestens so gut weiterhelfen wie Windmühlen".

Deklaration ist nicht verbindlich

Die Bonner Tagung war keine UN-Konferenz. Die Deklaration ist deshalb nicht verbindlich, wohl aber die freiwilligen Zusagen im Aktionsprogramm. Sie sollen im UN-Rahmen kontrolliert werden. Mehr als 3.000 Delegierte und Beobachter nahmen an der Weltkonferenz teil. (APA/dpa)