St. Johann/Pongau - "Wir sind erst am Anfang des Weges." Mit diesen Worten stellte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) beim Abschluss der Dialogveranstaltung zur Zukunft der Schule in St. Johann/Pongau (Salzburg) klar, dass die von Beobachtern erwarteten konkreten Maßnahmen für eine Reform des Schulsystems noch auf sich warten lassen. Ein Endbericht der aus Wissenschaftern bestehenden vierköpfigen Zukunftskommission soll im Herbst vorliegen, parallel dazu erarbeiten die Sektionschefs des Ministeriums einen "Bildungsplan 2010". Änderungen der Schulorganisation wie etwa die Einführung der Gesamtschule sind nicht zu erwarten - Hauptaugenmerk werde auf die Professionalisierung des Lehrberufs gelegt, so Gehrer.

Meistdiskutierte Vorschläge

Die beiden meistdiskutierten Vorschläge der Kommission, die Einschränkung des Sitzenbleibens und die personelle Autonomie der Schulen, bleiben weiter umstritten. Zwar stellte Gehrer Diskrepanzen mit dem Leiter der Zukunftskommission, Günter Haider, beim Repetieren in Abrede. Allerdings gebe es Diskussionen über den von der Kommission vorgeschlagenen Automatismus, wonach ein Schüler nur mehr repetieren soll, wenn dies er selbst oder die Eltern nach Beratung der Schule "ausdrücklich wünschen oder wenn ein Schüler mindestens in zwei Fächern mit Nicht Genügend beurteilt wird und insgesamt in mehr als der Hälfte der Pflicht- und Wahlgegenstände keine bessere Note als Genügend aufweist". Haider rückte auf Nachfrage von diesem Vorschlag nicht ab. Allerdings werde man im Endbericht versuchen, "die Sache differenzierter zu sehen". Die Repetier-Frage sei aber für die Kommission grundsätzlich "nicht das brennendste Problem".

Einschränkung der Autonomie

Bei der von der Kommission vorgeschlagenen personellen Autonomie für die Schulen schränkte Gehrer ebenfalls ein. Sie trete zwar dafür ein, dass die Schulpartner bei der Auswahl von Lehrern mitreden können. Die Letztentscheidung müsse aber weiter beim Landesschulrat liegen: "Außer der Schulsicht muss es eine übergeordnete Sicht der Dinge geben." Haider hatte bereits im Vorfeld klar gemacht, dass die Kommission von ihren Vorschlägen nicht abrücke, man in den Endbericht aber die Diskussionsergebnisse mit einfließen lassen werde. Zusätzliche Vorschläge wird es zur Lehrerausbildung geben.

In St. Johann diskutierten rund 350 Teilnehmer zwei Tage über die Zukunft des Schulwesens. Konkretes Ergebnis: Schuldirektoren sollen demnächst in Workshops auf freiwilliger Basis "Leadership" lernen. Geplant sind Großgruppenveranstaltungen für bis zu 300 Direktoren.

Opposition skeptisch

Skeptisch zeigten sich die Oppositionsparteien nach dem Ende der Dialogveranstaltung . Für SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser haben sich "die Nebel über die beabsichtigten Bildungsreformen nicht gelichtet". "Die Tagung hat eindrucksvoll gezeigt, dass Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) an einer tiefgreifenden Reform des österreichischen Schulsystems nicht interessiert ist", meinte der Bildungssprecher der Grünen, Dieter Brosz. Die Bundesschulsprecherin Romana Brait von der SP-nahen Aktion Kritischer SchülerInnen (AKS) fragte sich, wo die Reformen geblieben sind, und kritisierte, dass die Vorschläge der Zukunftskommission bezüglich Sitzenbleiben wieder einmal abgelehnt wurden. Lob für die Veranstaltung und die geplanten Reformen gab es dagegen von den Bildungssprechern der Regierungsparteien sowie von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung. (APA)