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Foto: APA/Roland Schlager
Münster - Die österreichischen Fleischexporteure können aufatmen: Die Europäische Union und Russland haben am Freitag einen milliardenschweren Handelskonflikt vorerst abgewendet. Der russische Einfuhrstopp für Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch aus EU-Staaten hätte auch österreichischen Unternehmen Umsatzverluste beschert.

Von 2000 bis 2003 wurden 22.665 Tonnen Schweinefleisch, 10.943 Tonnen Rindfleisch und etwa 1.100 Lebendrinder von Österreich nach Russland geliefert. Dies zeige, dass der russische Markt vor allem für die heimischen Schweineproduzenten wichtig sei, hieß es dazu aus dem Landwirtschaftsministerium.

Einigung über Zertifikate bis September

Ein Sprecher der Kommission sagte am Freitag in Brüssel, Russland habe zugesichert, den Einfuhrstopp für EU-Fleischprodukte rasch wieder aufzuheben. Über die Frage der Fleisch-Zertifikate will sich die EU mit Russland bis Ende September einigen. Auf den Lösungsweg hätten sich EU-Kommissionspräsident Romano Prodi und der russische Regierungschef Michail Fradkow am Vortag telefonisch verständigt. Der gesamte Umfang der EU-Ausfuhren wird auf 1,3 Mrd. Euro jährlich geschätzt.

Überraschender Einfuhrstopp

Die Regierung in Moskau hatte zuvor überraschend einen Einfuhrstopp für Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch verhängt. Der Kommission zufolge waren Ausfuhren aus bis zu zwölf alten und neuen EU-Ländern, darunter auch Österreich, vom russischen Einfuhrverbot betroffen. Insgesamt beläuft sich der Wert der EU-Agrarausfuhren nach Russland demnach auf jährlich rund 1,3 Milliarden Euro.

"Wir sind froh, dass die Russen die Sanktionen aufheben werden", sagte Kommissionssprecher Reijo Kemppinen. "Wir erwarten, dass sie das sehr bald tun." Er ging höchstens von einigen Tagen aus. "Das wird von der Effizienz der russischen Regierung abhängen."

EU: "Keine Rechtsgrundlage"

Hintergrund ist ein Streit über Agrarimporte aus den neuen EU-Mitgliedstaaten. Bereits seit März vergangenen Jahres hatte Russland im Vorgriff auf die EU-Erweiterung zum 1. Mai auf der Einführung eines einheitlichen Exportzertifikats bestanden und dabei zwei Ultimaten gestellt. Die letzte Frist war am 1. Juni abgelaufen. Aus Sicht der EU besteht aber für die Forderung Russlands keine Rechtsgrundlage. Brüssel hatte deshalb den russischen Importstopp scharf kritisiert. (APA/dpa)