Sind wir wirklich so arm im Geiste? Sind die österreichischen Wählerinnen und Wähler wirklich eine kleinkarierte, engherzige, provinzielle, ressentimentgeladene, kronenzeitungs-hirnverklebte Kleinhäuslerversammlung, die jeder demagogische Populist mühelos manipulieren kann?

Man könnte es angesichts der Themen dieses Europawahlkampfes meinen. Haider und seine Sprechpuppen kreischen etwas von "Vaterlandsverrat" und sonstigen Vokabeln aus dem Wörterbuch der lingua tertii imperii.

Die ÖVP hält mit und rutscht dabei immer weiter aus dem Spektrum moderner konservativer Parteien heraus. Weitere Themen dieses Wahlkampfes sind die schlecht belegten Vorwürfe eines politischen Egomanen über Spesen von Europaabgeordneten, und, nur auf geringfügig weniger tiefem Niveau, das Spiel der SPÖ mit den Ängsten um "unser Wasser".

Haben wir das verdient? Na ja, von irgendwoher scheint ja der Glaube der Wahlkampfmanager zu kommen, dass sich bei uns mit dem Primitiven und Irrelevanten punkten lässt. Von irgendwoher müssen ja die Krone-Macher ihre Überzeugung beziehen, dass man mit Hetzkampagnen erfolgreich sein kann. Aber was zu viel ist, ist zu viel, und das ist jetzt eindeutig der Fall. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.6.2004)