Wien/London - Die bürokratischen Hürden, die flugwillige Rollstuhlfahrer bei der Austrian (vormals AUA) zu bewältigen haben, sorgen weiter für Aufregung. Theresia Haidlmayr, Nationalratsabgeordnete der Grünen, fordert nach dem STANDARD-Bericht über die Notwendigkeit eines medizinischen Attestes eine Regelung analog zu den ÖBB und kritisiert die unklaren Verfahren der heimischen Fluglinie.

"Keine Formulare bekommen"

Denn Haidlmayr, selbst Rollstuhlfahrerin, betont, noch nie irgendwelche Formulare vor einer Flugreise bekommen zu haben. "Das kann entweder damit zusammenhängen, dass ich Abgeordnete bin oder immer in Begleitung reise." Zumindest Letzteres stimmt nicht, wie Franz Buchecker aus Langenlois berichtet. Er hätte um ein Haar seine neunjährige Tochter nicht mit auf Urlaub nehmen können.

"Wir wollten im vergangenen August von Wien nach Venedig fliegen. Erst zwei Tage vor der Reise bekamen wir die Fragebögen zugeschickt, nach einer Beschwerde bei der Austrian habe ich sie schließlich selbst ausgefüllt", schildert er. "Meine Tochter war völlig verunsichert und fürchtete, wir können nun nicht auf Urlaub fahren, weil sie einen Rollstuhl hat."

Assistenzleistungen

Besonders die Notwendigkeit, dass der Hausarzt einen medizinischen Fragebogen ausfüllen muss, erbost auch Haidlmayr. "Wenn die so ein Attest wollen, dann müssen sie es von allen verlangen oder von keinem. Es gibt schließlich auch Leute, die an Panikattacken leiden oder herzinfarktgefährdet sind, da könnte es in Notsituationen ebenso zu Schwierigkeiten kommen."

Sie vermutet nach einem Telefonat mit dem medizinischen Dienst der Austrian einen anderen Hintergrund: "Ich glaube, es geht um Assistenzleistungen im Flugzeug wie Hilfe beim Essen oder Toilettenbesuch. Da wäre es vernünftiger, eine Regelung zu finden wie bei den ÖBB: Passagiere sollen beim Buchen einen Handzettel bekommen, mit dem sie darauf hingewiesen werden, dass sie eine eigene Begleitung mitnehmen müssen", meint die Politikerin.

Probleme auch bei Ryanair

Auch mit der irischen Billigfluglinie Ryanair hatten Rollstuhlfahrer schon Probleme. Für die Bereitstellung von Rollstühlen auf britischen und irischen Flughäfen berechnete Ryanair den Betroffenen umgerechnet 27 Euro - mehr als den Ticketpreis. Der gehbehinderte 56-jährige Bob Ross ging dagegen vor Gericht und bekam heuer im Jänner Recht. Die Fluglinie wurde in London - nicht rechtskräftig - zur Zahlung von umgerechnet 2011 Euro Schadenersatz verurteilt, den Großteil der Summe bekam Ross wegen "Verletzung seiner Gefühle". (Michael Möseneder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 05.06.2004)