Den am weitesten angereisten Studenten kann wohl der Studiengang Luftfahrt an der Fachhochschule Joanneum in Graz aufweisen. Diesen in Österreich einzigartigen Ausbildungsgang absolvieren Studierende aus Großbritannien, Lateinamerika, Polen, Slowenien, Deutschland und der Schweiz. Auch viele Lehrende kommen naturgemäß aus dem Ausland, da Österreich zwar eine ganze Palette von Zulieferfirmen hat, aber keinen Flugzeugbau, und auch nicht die dafür notwendigen Prüfungsverfahren. Studenten aus ganz Österreich und aus dem benachbarten Ausland weist auch der Studiengang Fahrzeugtechnik in Graz aus, der übrigens das jüngste Fachhochschul-Ranking des Industriemagazins anführt. Denn ein Kriterium für die Bewertung von Studiengängen ist auch die Zusammensetzung der Studierenden.

Ähnlich breit gefächert wie Studierende und Lehrende sind auch die Jobmöglichkeiten der Absolventen: "Eine erkleckliche Anzahl unserer Absolventen arbeitet im Ausland - unter anderem in den USA, in Kanada, Schweden oder in Deutschland. Ein Absolvent der Fahrzeugtechnik arbeitet derzeit in China, wenn auch für eine österreichische Firma", berichtet Studiengangsleiter Gerald Gaberscik im Gespräch mit dem Fachhochschul-STANDARD. Auslandspraktika und die Zusammenarbeit mit ausländischen Firmen werden von der FH unterstützt. "Wir sind kein Studiengang für den Kirchturm", erklärt Gaberscik. Und Kurt Sohm vom Fachhochschulrat attestiert: "Wer nicht nur die Bedürfnisse der regionalen Wirtschaft im Auge hat, erhöht die Flexibilität der Studierenden."

Größtes Angebot

Fast 52 Prozent aller Studierenden an Fachhochschulen haben sich für ein technisches Studium entschieden - insgesamt 10.702 an 86 Technik- und Informatik-Studiengängen an 15 Standorten in ganz Österreich. Seit Beginn der Fachhochschulen (1994) werden überwiegend technische Studien angeboten, die auch die Mehrheit der Studierenden aufnehmen. Allerdings hat der Run auf die Technikausbildung deutlich nachgelassen: Durchschnittlich bewerben sich zwei bis drei Maturanten oder Maturantinnen für einen FH-Studienplatz, bei den technischen Studien sind es durchschnittlich 1,8. Einige der traditionelleren Studienrichtungen wie Automatisations- oder Produktionstechnik können nicht einmal mehr alle genehmigten Studienplätze füllen. Sehr spezifische Studien wie Sportgerätetechnik, Medizintechnik, Simulationstechnik oder Medientechnik haben dagegen einen größeren Zulauf. Für Sportgerätetechnik bewarben sich am Anfang gleich fünfmal so viele, wie aufgenommen werden konnten. "Allerdings machen sich manche auch falsche Vorstellungen", weiß Studiengangsvertreter Andreas Fechter. Sportbegeisterte etwa, denen das Studium dann zu technisch ist und die wieder abspringen.

In zwei wesentlichen Punkten unterscheiden sich Technikstudien von jenen im Wirtschafts- oder im Humanbereich: Es studieren wesentlich weniger Frauen, und auch die Drop-out-Quote ist deutlich höher. Gesamt gesehen beträgt der Frauenanteil an den FHs etwas über 38 Prozent, im Technikbereich allerdings nur 22 Prozent. In den vier Jahrgängen der Fahrzeugtechnik gibt es nur drei Frauen. Luftfahrt studieren insgesamt zwölf Frauen, sieben davon im zweiten Semester, das sind immerhin schon 20 Prozent. "Wir sind aber nicht benachteiligt, auch nicht bevorzugt", erzählt die Kärntnerin Claudia Zarre, die mit 34 Studienkollegen in Graz Fahrzeugtechnik studiert. Zum Technikstudium animiert wurde sie von ihrer Physikprofessorin. Weibliche Vorbilder sind allerdings an den Fachhochschulen selbst rar: Im Studiengang Fahrzeugtechnik sind es derzeit drei Frauen von insgesamt 60 Lehrenden, bei der Luftfahrt eine von 31.

Mit dem Förderprojekt FEMtech soll durch gezielte Information und Projekte der Frauenanteil an technischen Studiengängen gesteigert werden. So wird etwa im Absolventen-Netzwerk auch diskutiert, welch falsche Bilder von technischen Berufen bestehen oder warum selbst von den Technik-Absolventinnen nur wenige in die industrielle Produktion gehen. "Vielleicht doch, weil dort nur Männer arbeiten", meint Claudia Zarre.

"Technik ist ein anspruchsvolles und schwieriges Studium", gibt selbst Studiengangsleiter Gaberscik zu. Und sein Kollege von der Luftfahrt, Hannes Fogt, fügt hinzu, dass das Studium viel Zeit erfordert und hohe Anforderungen stellt. "Für Medizintechnik etwa müssen alle, unabhängig von ihrer späteren Spezialisierung, dieselben medizinischen, technischen und wirtschaftlichen Grundlagen lernen", berichtet Dietmar Hein, der gerade das vierte Semester in Linz absolviert. Da gehören Anatomie, Physiologie und Pathologie ebenso dazu wie Struktur und Ökonomie des Gesundheitswesens oder Qualitätsmanagement. Selbst möchte er später im Beruf sein Interesse an Technik und an medizinischer Pflege kombinieren, etwa in einem Krankenhaus. Die Anstrengung während des Studiums lohnt sich: Die Jobchancen sind nach erfolgreicher Diplomarbeit allemal größer als etwa nach einem Uni-Abschluss. (Astrid Zimmermann/Fachhochschulstandard, Printausgabe, 5./6.6.2004)