Wien - Vor vier Wochen kannte er das Pferd nur vom Sehen. Am Sonntag zählt der 42-jährige Rob Borghuis mit dem vierjährigen Hengst Rettenstein zu den Kofavoriten des 119. österreichischen Traberderbys (Dotation 73.000 €), das im "größten Schanigarten Wiens" (WTV-Präsident Anton Gaal), also im Trabrennpark Prater gelaufen wird.

Borghuis, der seit 1990 in Österreich arbeitet, erhielt die Chance Anfang Mai, nachdem der früher in Bayern trainierte Hengst heuer zweimal Gangprobleme gezeigt hatte. "Ich hab' den Beschlag und die Beschirrung etwas geändert", sagt der Niederländer. Der Optimierungseffekt war im Derbyvorlauf sichtbar, als er mit Rettenstein bald die Führung übernahm und unangefochten ins Ziel flog.

Noch souveräner fiel der Sieg von Champion Gerhard Mayr im ersten Vorlauf mit Donerboots Mo aus. Der Fahrer fällt allerdings nach einem krassen Foul an einem Konkurrenten (Borghuis) strafweise für das Derby aus. Sein Pferd wird vom zweifachen finnischen Europameister Jorma Kontio gesteuert. Was die Favoritenrolle sicher nicht schmälert, denn Kontio gilt als nervenstark.

Obwohl es zwei klare Vorlaufsieger gab, lassen sich für etliche der restlichen zehn Teilnehmer echte Chancen ausrechnen. Für Louisiana zum Beispiel, Stuten-Königin im Jahrgang, die der dreifache Derbygewinner Billy Spaderna aufbietet. Oder - wenn Verwandtschaft und Name zählen - Non Plus Ultra, Bruder von zwei ehemaligen Derbysiegern und im Vorlauf nicht gerade glücklich.

Das Derby aber gewinnt meist der Glücklichste, lautet eine alte, allerdings nicht zwingende Turfregel. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD PRINTAUSGABE 5./6.6. 2004)