Salzburg - Allen Bekenntnissen zur Belebung der Salzburger Altstadt zum Trotz: Das Stadtzentrum wird in absehbarer Zukunft um eine zentrale Einrichtung ärmer werden. Diesmal schließt aber nicht etwa wieder ein traditionsreicher Betrieb seine Pforten, sondern nach den von allen vier Gemeinderatsparteien unterstützten Plänen der Stadtregierung wird die derzeit im Schloss Mirabell - dem Sitz der Stadtverwaltung - beheimatete Stadtbücherei auf das Gelände des ehemaligen Fußballstadions Lehen abgesiedelt. Nach ersten Schätzungen dürfte der Kauf der von privaten Investoren errichteten Bücherei an die vier Millionen Euro kosten.Tägliche Besucherfrequenz

Derzeit sind in der Stadtbücherei über 130.000 Medien vorhanden - neben Büchern auch Noten und Tonträger. Die Raumsituation sei "sowohl für die Benutzer als auch für die Mitarbeiter unzumutbar", eine "ordnungsgemäße Aufstellung der Bücher" nicht mehr möglich, heißt es in einem Bericht von Bibliothekschef Johann Lettner. Die tägliche Besucherfrequenz wird auf über 1000 Personen geschätzt.

Städtischer "Magnetbetrieb"

Bei der Besucherzahl setzt auch die Kritik der Kaufleute an: Nach der Absiedlung der Polizeidirektion, des Finanz-und des Hauptpostamtes gehe der Altstadt nun auch noch der städtische "Magnetbetrieb" Bücherei verloren; der Obmann des Vereins "Rechte Altstadt", Werner Salmen, befürchtet einen weiteren Rückgang der Kundenfrequenz.

Auch Stadtplaner Raimund Gutmann kritisiert die Absiedelung des Publikumsmagneten. Gutmann, der im Auftrag des Magistrates eine Expertise über die Neugestaltung des Bahnhofsviertels erstellt hat, schlägt vor, die Bibliothek am "zentralen Umschlagplatz" Bahnhof zu errichten.

Eine Idee, der Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) viel abgewinnen könnte, wäre da nicht der Faktor Zeit: Am Bahnhof sei das Projekt erst in fünf Jahren spruchreif, und dann könnte für die neue Bibliothek kein Geld mehr da sein. (neu, DER STANDARD Printausgabe 5/6.6.2004)