Wien - Überschattet von ständigen Hiobsbotschaften aus der Politik und globalen Wirtschaftsproblemen wird am Samstag, 5. Juni, der von der UNO ausgerufene Weltumwelttag wohl eher am Rande der öffentlichen Wahrnehmung begangen. Denn seit Jahren steht die Ökologie nicht mehr an oberster Stelle jener Themen, welche die Menschen am stärksten bewegen.

"Brisante außenpolitische oder wirtschaftliche Nachrichten haben die Umwelt in der Medienberichterstattung zunehmend zum Randthema werden lassen, oder sie ist in anderen Bereichen wie Gesundheit oder Soziales aufgegangen", meinte etwa Andreas Baur von Global 2000. Zudem seien ökologische Probleme in ihren Ursachen komplex und zum Teil schwer verständlich, wodurch ihre Vermittlung schwieriger werde und das Interesse des "Normalverbrauchers" nachlasse.

Ein Film kocht das Thema wieder hoch

Angesichts dieser abnehmenden Beachtung kam Roland Emmerichs (Klima-)Katastrophenfilm "The Day After Tomorrow" - wie Minister Josef Pröll (V) und Umweltorganisationen betonten - noch rechtzeitig vor dem "Tag der Umwelt" in die Kinos, um einen neuen Denkanstoß zu dem nicht mehr ganz neuen Thema zu geben. Ein weiterer Faktor soll nicht verschwiegen werden: Klima-Apokalypsen werden zwar in Emmerichs Film drastisch ins Bild gesetzt. Sie sind in der Realität aber (bisher) nicht eingetroffen, oft noch nicht einmal in ihren Vorläufern für viele Menschen "spürbar".

Horror-Szenarios wurden aber jahrelang von umweltbewegten Menschen und mehr noch Organisationen zur Untermauerung ihrer Aufrufe und Mahnungen beschworen. Dass die "angekündigten" Katastrophen vorerst nicht mit voller Wucht eingetreten sind, scheint nun auf die Öko-"Branche" zurückzufallen.

Was man selbst tun kann

Obwohl das allgemeine Umweltbewusstsein der Österreicher nach wie vor ausgeprägt sei, so die übereinstimmende Einschätzung von Pröll, von Greenpeace und Global 2000, nehme vor allem die Bereitschaft des Einzelnen ab, sich selbst zu engagieren. Das liege unter anderem daran, dass viele Menschen nicht wissen, was sie persönlich beitragen können. "Man muss nicht unbedingt in einem wackeligen Boot einen Walfänger blockieren, es reicht schon aus, bewusster mit den Ressourcen umzugehen und nicht alles als selbstverständlich zu betrachten", unterstrich Axel Grunt von Greenpeace Österreich. Der "Tag der Umwelt" diene dazu, dies wieder ins Gedächtnis rufen.

"Nachhaltig leben - Vorteile genießen" lautet auch das Motto des diesjährigen Weltumwelttages in Österreich. Es gehe vor allem darum, den Menschen deutlich zu machen, dass eine nachhaltige und umweltschonende Lebensweise nicht - wie oft angenommen - mit Komfortverlust einhergehen muss, betonten Sabine Seidl von der Umweltberatung Wien und Martin Schuschnig vom Umweltbundesamt (UBA). Wer zum Beispiel weniger Energie "zum Fenster hinaus heizt", Strom fressende Geräte durch andere ersetzt oder öfter in die Drahtesel-Pedale statt aufs Gaspedal tritt, schont nicht nur Umwelt und Geldbeutel, sondern auch die eigene Gesundheit.(APA)